Writer’s blog is writer’s block. (Warum wir uns überwinden müssen).

Mein Blog, für den ich seit Monaten intensiv recherchiere und mit dem ich ansonsten schwerwiegende politische Entwicklungen und Sachverhalte dokumentiere und meine eigenen politischen Aktivitäten protokolliere stellt mich vor die Aufgabe den Verlauf politischer Sachverhalte zu schildern, die sehr komplexen Hintergründe zu einem Terroranschlag zu recherchieren und mein in diesen Zusammenhängen eingerichtetes Netzwerk zu fördern ohne dabei die Lust zu verlieren entsprechende Abläufe und Ergebnisse zu dokumentieren. Dabei gibt es keine Deadlines. Nach dem Grillfest letzten Samstag machten mein Cousin David und ich noch eine kurze Runde mit dem Hund. Dabei erkundigte ich mich nach dem Buch an dem David nun schon seit über zehn Jahren schreibt. „Jedes Jahr im Frühling nehme ich mir vor mir selbst ein paar Seiten zum Geburtstag zu schenken.“ (Davids Geburtstag ist im Juni). „Super. Und machst du dir dann die Freude?“ „Ich mache mir dann eine Freude mit einem Happy-Meal.“ Fast Food statt slow writing. Mein Cousin schreibt über seinen Alltag, über den Reuter-Kiez in Neukölln und seine Familie. Ich schreibe über einen Terroranschlag, stromlinienförmige Beamte (die, über die ich schreibe: weit davon entfernt, Beamten stromlinienförmige Persönlichkeiten im Kollektiv zu unterstellen) und größtenteils substanzlose Politiker die sich davor scheuen sich mit entsprechenden Sachverhalten auseinanderzusetzen („Gehört nicht zu meinem Fachbereich.“ oder „Habe ich weitergeleitet“).

„Warum tust du dir das an?“ wollen die Leute immer wieder von mir wissen. Meine Antwort ist stets dieselbe. Irgendjemand muss es tun. Ich habe die Zähigkeit, die Intelligenz und den Mumm mich mit diesen Sachverhalten auseinanderzusetzen. Aber was noch viel wichtiger ist: ich habe den Willen dazu. Gewiss ist das kein netter Zeitvertreib. Allerdings weiß ich welche politischen Dimensionen in diesem einen Vorfall der sich am 19. Dezember 2016 auf dem Breitscheidplatz in Berlin ereignet hat involviert sind. Die Aufklärungsprozesse eines solchen Vorfalls versanden zu lassen bedeutet die Grundlagen unseres demokratischen Systems versanden zu lassen bedeutet unseren politischen Willen und unsere politische Identität aufzugeben. Willy Brandt hat einst gesagt: „Wir wollen mehr Demokratie wagen.“ Heute sind es die eigenen, mit dem Staatsschutz beauftragten Institutionen die es wagen unsere Demokratie herauszufordern. Wir müssen es wagen, müssen es wollen solchen Tendenzen mit aller Macht entgegenzutreten. Helmut Schmidt seinerseits sagte, dass die Vertreter von Geheimdiensten glaubten die Interessen des eigenen Landes besser zu verstehen als die Regierung selbst es tut. Mittlerweile habe ich aufgrund der von mir gewonnen Einsichten allerdings den Eindruck, dass es unsere Regierung ist, die ihre Entscheidungen lieber dem Ermessen von Geheimdiensten überlässt.

Berlin, den 5. Juli 2018

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