Schon während meines Aufenthalts im Dezember 2008 klagte ich fast täglich darüber, wie schade es sei, dass ich in Tel Aviv nicht im Besitz eines Klaviers bin.
Nicht dass ich vor hatte, täglich Klavier zu spielen, aber zu wissen, dass ich es nicht könnte, wenn ich wollte, führte dazu, dass ich in kurzen, regelmäßigen Abständen, natürlich oft zusammenhanglos, mein Bedauern über die Situation zum Ausdruck bringen musste.
Den Gedanken, der meinen Kopf immer mal wieder durchstreifte, mir eventuell ein E-Piano zuzulegen, verfolgte ich nicht wirklich ernsthaft – vermutlich wohlwissend, dass sich eine bessere Lösung ergeben würde.
Und so kam es auch.
Eine Freundin aus Tel Aviv hat sich stillschweigend der Sache angenommen.
Kurz vor Neujahr und vor meiner Abreise nach Berlin, während ich am alten Hafen von Jaffa zwischen den vielen Baustellen umherlief, bekam ich ganz überraschend einen Anruf vom Sekretariat des “Israelischen Konservatoriums für Musik in Tel Aviv“, auch „Stricker Konservatorium“ genannt. Es sei kein Problem, nur ein paar Formalitäten wären erforderlich und mir würden sodann einige Räume, bestückt mit Klavieren, zur Verfügung stehen.
Nach meiner erneuten Ankunft in Tel Aviv machte ich mich auf den Weg zum Konservatorium. Die Formalitäten waren schnell erledigt. Mir wurden die entsprechenden Räume gezeigt, und ich war glücklich und erstaunt, wie unkompliziert diese Prozedur vonstatten ging.
Das Konservatorium in der Strickerstrasse ist seit Mai 2008 eine grosse Baustelle.
Das “Stricker Konservatorium” wurde 1945 gegründet. Es ist in drei Gebäudeeinheiten unterteilt: In das Auditorium, Baujahr 1988, welches entkernt und nun saniert wird,


Februar 2009
und in die beiden Seitenflügel von 1937, die zu Zeiten des britischen Mandats noch als Krankenhaus dienten und später die Klassen- und Übungsräume, Büros und die Bibliothek des Konservatoriums beherbergten. Diese beiden Anbauten wurden bereits abgerissen, auf ihren Grundflächen entstehen nun zwei neue Gebäude.

alte Aufnahme

Während der Bauarbeiten werden die Räumlichkeiten eines Gymnasiums in der Ben Yehuda Straße genutzt.
Das Flair einer Schule ist mit dem eines Konservatoriums nicht zu vergleichen.
Dennoch, neben der einzigartigen Möglichkeit dort überhaupt spielen zu dürfen, kann ich nun auch noch vom Klavier aus auf das Meer blicken.

Ausblick vom Gymnasium in der Ben Yehuda Straße
Seit 1988 steht das “Zentrum für Kammermusik” unter der Schirmherrschaft des „Stricker Konservatoriums“. Namhafte Musiker aus Israel und dem Ausland präsentieren dort ein breites Kammermusik-Repertoire.
Das diesjährige Konzertprogramm kann hier gesichtet werden.
Falls Sie zu gegebener Zeit in Tel Aviv weilen, sich für klassische Musik interessieren, so lohnt es sich, dem einen oder anderen Konzert zu recht günstigen Preisen beizuwohnen.
Bis das Konservatorium im neuen Glanz erscheint, finden die Konzerte in einem anderen Konzertsaal statt.
Lange Rede, kurzer Sinn. Falls Sie einen längeren Aufenthalt in Tel Aviv planen, gerne mehrmals in der Woche Klavierspielen wollen, ihr Vorhaben bisher nur daran scheiterte, dass Sie sich ratlos fragten, wie sie nur ihrer Spielsucht unter dem Tel Aviver Himmel frönen könnten, so kann ich Sie beruhigen, auch darauf müssen sie nicht verzichten.

3 Antworten so far ↓
1 Archimedes // Mär 4, 2009 at 1:40
Sind die wunderschönen Gebäude auf dem vorletzten und drittletztem Foto von dem Gymnasium, oder schon vom neu renovierten Konservatorium? Schade, dass ich gerade nicht genügend Geld habe, um dem grauen Wetter Mitteleuropas zu entfliehen und für 1 Monat nach Tel Aviv zu ziehen – zumal wegen der dortigen Klaviere mit Meeresblick.
Übrigens schade, dass Tel Aviv so wenige Solaranlagen hat. Die Stadt könnte näml. weit mehr als 60% des Stroms aller Privathaushalte mit Solarenergie von Anlagen auf + an Gebäuden decken – den Rest durch ein Solarkraftwerk im Negev. Das gilt übrigens für alle Städte und Siedlungen des Landes.
2 Archimedes // Mär 4, 2009 at 1:43
Kurze Ergänzung zu meinem ersten Posting: Die erwähnten “mehr als 60% …” würden schon bei Nutzung von weniger als 25% der Dachflächen erreicht.
3 Zeev // Mär 5, 2009 at 8:49
HI Miri,
mal wieder ein sehr schöner Beitrag, der Sehnsüchte weckt. Auch wenn ich nur Klavierspielern zuhören kann.
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