Bruno Jost, Sonderermittler des Berliner Senats

Es ist Donnerstag der 28. Juni 2018, ich stehe mit Bruno Jost auf dem Treppenabsatz vor dem Europasaal im Paul-Löbe-Haus im Bundestag in dem heute die 16. Sitzung des Untersuchungsausschusses „Terroranschlag Breitscheidplatz“ gehalten wird. Wir stehen direkt vor dem grauen Panel auf dem mit riesigen weißen Buchstaben das Wort „Deutscher Bundestag“ geschrieben steht. Der Sonderbeauftragte des Berliner Senats berichtet, wie nahe ihm die Untersuchung des Terroranschlags gegangen sei. Eigentlich will er nicht mehr darüber reden. Und dennoch ist er heute hier und beantwortet detaillierte Fragen zu seiner Tätigkeit als Sonderermittler des Berliner Senats. Einige der Mitglieder des Untersuchungsausschusses waren dabei so weit gegangen, dass der für seine Integrität bekannte Sonderermittler sich mehrmals für seine objektiv-hinterfragende Haltung hatte rechtfertigen müssen. Der frühere Bundesanwalt hatte schon die Ermittlungen im Mykonos-Attentat geführt: 1992 waren in Berlin iranische Oppositionelle ermordet worden und trotzdem man Jost damals gedroht hatte und die Bundesregierung versuchte ihn in seiner Arbeit zu beeinflussen, hatte Bruno Jost seine Ermittlungen bis zum Urteil unbeirrt weitergeführt.

Die Sitzung des Untersuchungsausschusses schien die Arbeit als Sonderbeauftragter des Bundesanwalts a.D. auf dramatische Weise zu verdeutlichen: der als Zeuge geladene und weisungsfreie Jost wurde zum Mittelpunkt der Fragen und kontroversen Haltungen anwesender Vertreter einer unsinnigen und in ihrem Wesen widersprüchlichen Politik: „Ich bin nicht dazu verpflichtet, Ihnen meine Gedanken beim Lesen von Zeitungsartikeln mitzuteilen“ hatte der inzwischen 69-jährige Sonderbeauftragte schließlich einer der Abgeordneten geantwortet. Diese hatte zusammen mit anderen Vertretern des Untersuchungsausschusses widerholt seine hinterfragende Haltung gegenüber dem Ausbleiben einer Strafanzeige gegen den Attentäter kritisiert. Im Verlauf von vier Stunden Befragung hatte der Bundesstaatsanwalt a.D. sich vor den anwesenden Abgeordneten mehrmals auf seine über drei Jahrzehnte umfassende Erfahrung bei der Staatsanwaltschaft berufen müssen und darauf, dass er den Sachverhalt seinem Fachwissen und dem ihm erteilten Auftrag entsprechend mit aller Objektivität ermittelt und vorgetragen hatte. Dabei hatte sich Bruno Jost knapp neun Monate intensiv mit dem Terroranschlag und dessen zugrundeliegenden Zusammenhängen auseinandergesetzt und entsprechende Erkenntnisse im Oktober 2017 in seinem Abschlussbericht veröffentlicht [1]. Dabei ist Bruno Jost nicht irgendjemand. Aber irgendjemand musste es tun. Und alle Beteiligten die ein Interesse an einer zielführenden Entwicklung der Untersuchungen haben hatten großes Glück dass dieser Jemand Bruno Jost gewesen ist.

Warum ich diese Sachverhalte thematisiere? Weil mir ein paar mehr Informationen vorliegen als dem größten Teil der Öffentlichkeit. Da ich die mir vorliegenden Informationen zu diesem Zeitpunkt nicht veröffentlichen kann -ohne dass ich mich zu einem gewissen Maß selbst diskreditieren würde (da ich derzeit keine Angaben zu meinen Quellen machen kann), muss ich die Zusammenhänge des Terroranschlag Breitscheidplatz aus einer anderen Perspektive und mit anderen Ansätzen recherchieren. Aber jede Form weiterführender und objektiver Recherche führt letztendlich zu denselben Erkenntnissen. Warum ich diese Sachverhalte recherchiere? Diese Sachverhalte müssen recherchiert und thematisiert werden um die Grundlagen unseres demokratischen Staates schützen zu können. Vielleicht ist es auch ein Glücksfall, dass ich auch zu diesem Personenkreis zähle. Denn auch ich bin nicht käuflich.

Berlin, der 5. Juli 2018

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.