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Fotografien von Rudi Weissenstein in Frankfurt am Main

1. März 2010 · 2 Kommentare

Seit dem 17. Februar 2010 zeigt die Heussenstamm-Galerie unter dem Titel „Tel Avivs glückliche Augen“ Fotografien von Rudi Weissenstein.
miriam

Eine hübsche Frau springt hoch in die Luft, ihre dunklen Locken fliegen zur Seite, im Hintergrund ein weiter Himmel und die Kulisse der noch jungen Stadt Tel Aviv. Die Witwe des israelischen Fotografen Rudi Weissenstein war damals 27 Jahre alt. Dass dieses und weitere Motive des bedeutenden Fotografen in der Heussenstamm-Galerie zu sehen sind, ist dem glücklichen Aufeinandertreffen zweier Jubiläen zu verdanken: Der 100-jährige Geburtstag des israelischen Fotografen Rudi Weissenstein fällt zusammen mit der 30-jährigen Städtepartnerschaft von Frankfurt und Tel Aviv.

Die Heussenstamm-Stiftung zeigt mit zirka 50 schwarz-weiß Aufnahmen einen ebenso dokumentarischen wie künstlerischen Ausschnitt aus dem rund eine Million Negative umfassenden Werk des Künstlers, mit dem Weissenstein zum bedeutendsten Chronisten Israels wurde. Vorwiegend zwischen den 1930er und 1970er Jahren entstanden, zeichnen die Fotografien ein vielseitiges Israel: Menschen, Gebäude und Alltagsszenen aus Tel Aviv und Israel, aber auch aus Frankfurt, wo das Ehepaar Weissenstein 1979 für einen Tag Station machte.

“Ihr glücklichen Augen”, so der Titel der Ausstellung, zieht auch über den Tod des Künstlers hinaus einen Bogen nach Frankfurt. Seinen Lieblingsvers aus Goethes Faust ließ Miriam ihrem Ehemann auf den Grabstein schreiben:

“Ihr glücklichen Augen, // Was je ihr gesehn, // Es sei wie es wolle, // Es war doch so schön!”

Bekannt wurde der damals 38-jährige durch seine Aufnahme der Ausrufung des Staates Israel im Mai 1948, bei der Weissenstein der einzig zugelassene Fotograf war. Desweiteren war er offizieller Fotograf des Israeli Philarmonic Orchestra und arbeitete als Reporter für die Vereinten Nationen.

Der 20-minütige Film von Louise Oechler “Ihr glücklichen Augen” ergänzt die Ausstellung und zeichnet ein Bild des Menschen Rudi Weissenstein.

Litfasssaeule

Rudi Weissenstein: „Ihr glücklichen Augen“, noch bis zum 30. April 2010

Heussenstamm-Galerie
Braubachstraße 34
60311 Frankfurt am Main
Tel.: 069 / 131 0016
E-Mail: info@heussenstamm-stiftung.de
http://www.heussenstamm-stiftung.de/

Öffnungszeiten
Di. – Fr., 12.00 bis 18.00 Uhr
Sa., 12.00  bis 17.00 Uhr

→ 2 KommentareCategories: Fotografie · Kultur

Fernsehfilm der Woche: Die Seele eines Mörders

16. November 2009 · 1 Kommentar

In meinem Beitrag ‘Der Rothschild Boulevard – Momentaufnahmen‘ berichtete ich über meine kurze und zufällige Begegnung mit Heiner Lauterbach in Tel Aviv.

Es wäre mir nicht in den Sinn gekommen, einen Schauspieler oder eine andere bekannte Persönlichkeit auf offener Straße anzusprechen und um ein Photo oder um ein Autogramm zu bitten.
Wenn jedoch ganz unerwartet Maria Schrader und Heiner Lauterbach auf dem Rothschild Boulevard zu sehen sind, staune ich nicht schlecht und bleibe eine Weile stehen, um mich zu vergewissern, dass mich dieser Anblick nicht täuscht.
Maria Schrader war am Set mit den Aufnahmen beschäftigt, ich schaute ihr ein paar Sekunden zu, als bald ich dann Heiner Lauterbach vor mir sitzend, ein Glas in der Hand haltend, entdeckte.
Natürlich wollte ich in Erfahrung bringen, was gedreht wird, es lag also nahe, mir diese Information von ihm direkt einzuholen. Wir wechselten ein paar Sätze.
Die Dreharbeiten auf dem Rothschild Boulevard waren für einen ZDF-Krimi mit dem Titel ‘Denn die Seele ist in deiner Hand’ – das Drehbuch nach dem gleichnamigen Kriminalroman der israelischen Schriftstellerin Batya Gur.

Das ZDF zeigt ‘Die Seele eines Mörders‘ am Montag, den 16.November 2009,
um 20:15 in der Reihe ‘Fernsehfilm der Woche’.

heinerlauterbach
© ZDF, Nir Shaarani

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At The Beginning

25. September 2009 · Keine Kommentare

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Shana Tova

20. September 2009 · 1 Kommentar

Rosch Haschana 5770 – das jüdische Neujahrsfest 2009

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Richtigstellung

30. August 2009 · Keine Kommentare

Das hat Miri Pelzmann nicht geschrieben, sondern das und das.

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Hydromania

27. August 2009 · Keine Kommentare

Im Rahmen der jüdischen Kulturtage, die vom 29. August bis 6. September 2009 in Berlin stattfinden, werden unter dem Schwerpunkt ‚Jüdische Literaturen’ am 1.September zwei israelische Autoren, Nevo Eshkol, Jahrgang 1971 mit dem Roman ‚Vier Häuser und eine Sehnsucht’ und Assaf Gavron, Jahrgang 1968, mit ‚Hydromania’ dem interessierten Publikum vorgestellt.

Rezension: Hydromania
Israel 2067. Dürre und Wüstenbildung bedrohen die Region. Ein Großteil des heutigen Staates Israel steht unter palästinensischer Flagge. Mit der Eroberung Tiberias wurde auch der Zugriff auf das wichtigste Wasserreservoire, den See Genezareth eingebüßt. Wasserknappheit und der Kampf um das Wasser bestimmen das Leben der Menschen. Trinkwasser ist zur wichtigsten Ressource geworden.
China, Japan und die Ukranie haben weltweit die Hoheit über die Wasserressourcen und Wasserverteilung. Die USA ist nicht mehr von nennenswerter Bedeutung.
Eingebettet in dieses Szenario lernen wir Maja kennen, vierzig Jahre alt, im sechsten Monat schwanger, attraktiv. Ihr Mann Ido, ein Wasseringenieur, der ein Wassersystem erfunden hat, mit dem jeder selbst Regenwasser sammeln und reinigen kann, ist spurlos verschwunden. Maja nimmt den Kampf gegen die Wasserkonzerne auf, Freunde verschwinden, Menschen sterben, die Polizei ermittelt. Doch, als würde sich ein Nebelschleier über die Zeilen legen, weder die Geschehnisse, noch die Protagonisten berühren uns.
Äußerst schade.
Zweifelsohne, der Kampf ums Wasser als zentrales Thema, um das sich die Ereignisse ranken ist hoch interessant mit überaus aktuellem Bezug. Die Nutzung der Wasservorkommen bei begrenzten Ressourcen, der Streit um die Wasserrechte und die Wasserverteilung durch die israelische Wassergesellschaft ‚Mekorot’, verschärfen schon heute die Spannungen zwischen Israel und den besetzten Gebieten.
Es ist durchaus vorstellbar, dass die Wasserkrise in Zukunft zu zwischenstaatlichen Konflikten führen wird.
Assaf Gavron entwirft in ‚Hydromania’ ein breites Panorama, das jedoch nicht darum bemüht ist, diese sonderlich detailliert zu beschreiben. Der israelisch-palästinensische Konflikt erscheint hier nur am Rande, ein Detail von vielen, die den Hintergrund füllen, das zusammen mit anderen ein leises Hintergrundrauschen erzeugt, den Leser aber mit all seinen Fragen allein zurück lässt.
Wir dürsten bei diesem Stoff förmlich nach mehr Science, Fiktion und Spannung.

Hydromania. Assaf Gavron. Roman

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Vier Häuser und eine Sehnsucht

27. August 2009 · 1 Kommentar

Im Rahmen der jüdischen Kulturtage, die vom 29. August bis 6. September 2009 in Berlin stattfinden, werden unter dem Schwerpunkt ‚Jüdische Literaturen’ am 1.September zwei israelische Autoren, Nevo Eshkol, Jahrgang 1971 mit dem Roman ‚Vier Häuser und eine Sehnsucht’ und Assaf Gavron, Jahrgang 1968, mit ‚Hydromania’ dem interessierten Publikum vorgestellt.

Rezension: ‘ Vier Häuser und eine Sehnsucht’
Der Roman spielt in der Zeit vor und nach der Ermordung Yitzhak Rabins im Jahre 1995, als Selbstmordanschläge das Land erschüttern, die große Hoffnung auf Frieden in weite Ferne rückt, sich tiefe Trauer, Hoffnungslosigkeit, Angst, Zweifel und Resignation in Israel breit machen.
Vor diesem Hintergrund erzählt der Roman vom Leben und Alltag verschiedener Menschen in vier Häusern, welche in einem Vorort von Jerusalem, Maos Zion, auch Castel genannt, leben.
Im Erdgeschoss eines alten verwinkelten Gebäudes beziehen Noa und Amir ihre erste gemeinsame Wohnung. Noa studiert in Jerusalem Fotografie, Amir in Tel Aviv Psychologie. Die anfängliche Euphorie und hemmungslose Leidenschaft droht durch ihre räumliche Nähe zu ersticken. Ihre Vermieter nebenan, ein junges Ehepaar mit zwei Kindern, Sima ist Hausfrau, Moshe Busfahrer, sind glücklich verheiratet. Ihre Ehe gerät jedoch ins Wanken als Moshe zunehmend Religiosität entwickelt.
Durch eine kleine Klappe in der Wand des Badezimmers müssen Noa und Amir ihre Hand führen, um bei Sima und Moshe den Heißwasserboiler an- bzw. abzustellen. Durch diese Öffnung in der dünnen Rigipswand dringen auch allerlei Geräusche und Gerüche, die abwechselnd auf die eine oder andere Art die Sinne der vier Beteiligten ansprechen.
Im Haus gegenüber trauert eine Familie um den im Libanon gefallenen Sohn Gidi. Jotam, ihr jüngster und nun einziger Sohn, sehnt sich nach seinem Bruder und zugleich nach den Eltern, die sich von der Welt abkapseln und vom Schmerz so eingenommen sind, dass sie nicht wahrnehmen, wie er unter der erdrückenden Stimmung leidet.
Auf einer Baustelle unweit des Hauses erkennt Ssadeq, ein arabischer Bauarbeiter, im alten Gebäude das Haus seiner Kindheit, aus dem die Familie 1948 vertrieben wurde.
Castel war vor der israelischen Staatsgründung ein palästinensisches Dorf. Seine Mutter besitzt noch immer den Schlüssel zu jenem Haus, aus dem sie damals geflohen sind.
Die Sehnsüchte, Konflikte, Situationen, die sich innerhalb der einzelnen Häuser abspielen, lassen neue Beziehungsgeflechte der sechs Protagonisten entstehen.
Auf einfühlsame Weise verleiht der Autor, Nevo Eshkol, jedem dieser Charaktere eine eigene, unverwechselbare Stimme. Zu dieser Vielfalt gesellt sich der Erzähler, der, in der Übersetzung dargestellt durch rhythmisch anmutende Verse, das Geschehen kommentiert.
Kaleidoskopartig fließen die Geschichten der sechs Charaktere ineinander über und geben einen Einblick in einen Mikrokosmos der israelischen Gesellschaft.
‚Vier Häuser und eine Sehnsucht’ erschien 2004 in Israel und stand monatelang auf der Bestsellerliste.

Passend zu ‘Tel Aviv – Sequenzen’ ein Auszug aus dem Buch:

Mit freundlicher Genehmigung des Deutschen Taschenbuch Verlags
Aus: Eshkol Nevo, Vier Häuser und eine Sehnsucht. Roman. Aus dem Hebräischen von Anne Birkenhauer (c) dtv 2007.

Tut mir leid, ich schaff es einfach nicht, mich in diese Stadt zu verlieben. Die ganzen Bauhaus-Häuser berühren mich nicht. Mir bleibt nicht der Atem weg, wenn ich ein Tal oder einen Berg sehe, denn so was gibt es hier nicht. Es gibt kein himmlisches und kein irdisches Tel Aviv, es gibt einfach bloß Tel Aviv. Und es gibt keine Straßennamen wie Geistertal oder Abessinierstraße. Und es gibt keine jahrtausendealte Stadtmauer, hinter der sich wer weiß wer versteckt. Es ist höchstens eine Pose, die gerade mal einen Tag alt ist. Hier siehst du keine Araber, keine schwarzgekleideten orientalischen Frommen, keine Armen, keine Waiseneltern und keine Kinder in Jotams Alter.
In meinen ersten Tagen in Jerusalem dagegen war ich mir wie an Purim vorgekommen:Alle sahen aus, als wären sie verkleidet: Die schwarzweißen Kaftanfrommen in ihrem Pinguin-Outfit; die frommen Frauen, deren Weiblichkeit aus den enggeschnürten Kleidern zu platzen droht, die jungen Amis, die im Sommer die Fußgängerzone überfluten, mit englisch bedruckten T-Shirts und viel zu weißen Beinen; die Weicheier von der Cinémathèque, in karierten Hemden, mit diesem ach-so-ernsten Blick, der einfach nicht echt sein kann; die Prolls mit dem unsäglichen Gel im Haar; die Grenzpolizisten in ihren enganliegenden Uniformen; der Jemenite vom jemenitischen Falafelstand.
Und hier – gehst du drauf vor Homogenität. Alle versuchen, besonders zu sein, aber irgendwie kommt es ihnen doch immer ähnlich raus.Als gäbe es einen geheimen Code, dem alle folgen. Als gäben dir die Leute vom städtischen Ordnungsdienst einen Strafzettel, wenn du dich mal ein bißchen passé anziehst. Und das ist nicht nur mit der Kleidung so. Wo du auch hingehst, hörst du dieselbe Musik, vom selben pseudo-alternativen Radiosender. In den Cafés unterhalten sich die Leute über den Tratsch, den sie in der Stadtzeitung gelesen haben, und fragen einer den andern: »Hast du das gehört?« statt: »Hast du das gelesen?« Und dann die Kellnerinnen – überall der gleiche Blick in den Augen –, sie kommen und bringen die Karte, und die Gäste studieren sie mit einer Aufmerksamkeit, als ginge es um einen Band moderne Lyrik, und dann bestellen sie genau das, was sie sowieso immer bestellen. Und alle sind schwul oder lesbisch oder gerade auf dem bisexuellen Trip. Und natürlich links. So als gäbe es gar keine Alternative. Als wäre die politische Anschauung eben noch ein Kleidungsstück, noch ein Trend, nach dem man sich richten müsse, und nicht etwas Persönliches. (Amir würde jetzt sagen: Man könnte ja grad meinen, daß deine Anschauungen so anders sind.) Stimmt schon,Tel Aviv hat was Bequemes. Ähnlich bequem, wie deinen ersten Freund vom Gymnasium zu heiraten. Keiner hier bedroht dich über die Maßen. Alles ist bekannt und vorhersagbar. Man wird keinen Stein nach dir werfen, wenn du am Schabbat Auto fährst, keiner wird behaupten, daß die Osloer Abkommen ziemlich hoch gepokert sind, und aller Wahrscheinlichkeit nach wirst du auch keinen echten Araber treffen, es sei denn, du fährst dafür extra
nach Jaffa, um sie zu suchen, und auch dann werden sie dir freundlich sambusak verkaufen und nicht im Traum daran denken, am hellichten Tag ins Haus eines Juden einzudringen und eine Wand aufzuklopfen, wie es der Arbeiter von Madmoni getan hat.
Hier in Tel Aviv ist es sicher. Sicher, flach und trüb. Ich laufe schon eine Woche mit der Kamera durch die Straßen und suche nach etwas, was in mir das Gefühl von gelbem Paprika auslöst.
Aber nichts.
(Amir würde jetzt sagen: Suchst du vielleicht nicht an den richtigen Stellen?)
Als ich gestern von einer meiner fruchtlosen Runden zurückkam, traf ich unten am Haus den Typen vom Balkon gegenüber.
Hallo, sagte er in so einem zynischen Ton. Und ich dachte, der kennt mich kaum und ist schon so zynisch?
Hi, sagte ich, und zu meinem großen Erstaunen klang mein Ton genau wie seiner.
Hast du heute was fotografiert? fragte er und zeigte auf die Kamera.
Nein, ich hab nichts Interessantes gefunden, gestand ich und wollte schon gehen.
Hast du einen Blitz? fragte er da plötzlich, mit einer anderen, angenehmen Stimme.
Natürlich,warum? Wenn du einen Blitz hast, kann ich dir einen interessanten Ort zeigen, heute nacht.
Ach . . . weißt du . . . ich war schon dabei, eine Ausrede zu erfinden, aber dann dachte ich mir:Warum eigentlich nicht? Vielleicht fehlt mir ja nur der richtige Führer, um mich für die Stadt zu begeistern. Und bei Tageslicht sah der Typ von dem Balkon eigentlich ganz nett aus.Etwas an seinen Schultern sagte mir, daß ich ihm trauen konnte. Und er war zu klein, als daß ich auf ihn abfahren würde, und das war genau gut so.Außerdem, wie lange konnte ich noch in der Wohnung meiner Tante Ruthi sitzen und Fotoalben anschauen?
Gut, sagte ich,wann treffen wir uns?
Ich rufe dich vom Balkon, so gegen eins.
Ein Uhr nachts?
Was meinst denn du? Ein Uhr mittags? Von welchem Stern bist du denn gefallen?
Vom Castel, wollte ich sagen, ließ es aber.

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Um Himmels willen, Israel – III

11. Juli 2009 · Keine Kommentare

Ich erspare mir jegliche Erklärung – die Bilder sprechen für sich, genauer gesagt diese Werbung von Cellcom.

Ich zitiere einen kleinen Ausschnitt aus dem Spotbeitrag, für all diejenigen, die nicht Hebräisch verstehen.

What do all of us want after all ? To have some fun!
NEW! Cellcom Media, a world of games, music, video and internet.

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Ein Käfig voller Narren – eine einzige Katastrophe

29. Juni 2009 · Keine Kommentare

Die Nakba, arabisch für Katastrophe, scheint für viele Israelis ein rotes Tuch zu sein. Während das Land jedes Jahr im Mai voller Stolz und Freude den Unabhängigkeitstag feiert, finden am 15. Mai Veranstaltungen und Demonstrationen zum Gedenken an die Nakba statt – die Flucht und Vertreibung der Palästinenser im Jahre 1948. Palästinenser tragen überdimensionale Schlüssel als Symbol der Erinnerung an ihre Häuser, aus denen sie geflohen sind.
Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman und seine rechts-nationalistische Partei ‘Israel Beitenu‘, hebräisch für ‘Israel unser Haus’, haben einen Nakba-Gesetzesvorschlag auf den Tisch gebracht, der sowohl in der Regierung als auch in der israelischen Bevölkerung zur Zeit für Wirbel sorgt.
Dem ersten Entwurf zufolge sollten all diejenigen, die sich anmaßen, den Tag der israelischen Staatsgründung und Unabhängigkeit (14.Mai.1948) als Nakba, als Tag der Trauer, zu bezeichnen und ihn als solchen zu begehen, mit einer Haftstrafe bis zu drei Jahren bestraft werden.
Zwischen der palästinensischen und israelischen Geschichtsschreibung bestehen große Unterschiede hinsichtlich der Definition und Einschätzung der Ereignisse von 1948.
Vereinfacht dargestellt: Während die Palästinenser die damaligen Ereignisse als Katastrophe bezeichnen, spricht die israelische Geschichtsschreibung von einem freiwilligen Verlassen des Landes. Die Entscheidung der Palästinenser, sich den fünf arabischen Staaten (Ägypten, Jordanien, Libanon, Syrien und der Irak) anzuschließen, um Israel direkt nach seiner Staatsgründung anzugreifen, das jüdische Volk zu vernichten, ‘die Juden ins Meer zu werfen’, sei eine politische Entscheidung gewesen, die nun mal ihren Preis fordere – die Palästinenser seien ihres eigenen Glückes Schmied, so lautet der Tenor.

Alex Miller, Initiator des Gesetzesentwurfs, ist sichtlich betroffen. Wie kann es angehen, dass während das jüdische Volk Freudentänze aufführt, ja aus dem Freudentaumel gar nicht mehr heraus kommt, vor positiver Energie nur so strotzt, die arabische Bevölkerung statt mitzuschwingen es vorzieht, sich in Trauer zu hüllen, wo doch ‘alle Bürger des Staates gleiche Rechte genießen, gleichzeitig aber die Gründung des Staates betrauern. Wenn wir wirkliche Koexistenz erreichen wollen, muss dieses absurde Theater aufhören’, sagte er gegenüber der Jerusalem Post.
Wie zu erwarten stieß der Gesetzesentwurf prompt auf große Ablehnung.
Isaac Herzog, Shalom Simhon und Avishai Braverman, Abgeordnete der Arbeitspartei, kritisierten diesen Gesetzesentwurf in einem Appell und betonten, dass ein Vorschlag dieser Art eine Einschränkung der Meinungsfreiheit darstelle, und zur Entfremdung zwischen der israelischen und arabischen Gemeinschaft beitrage.
Erziehungsministerin Yuli Tamir, Abgeordnete der Arbeitspartei, sagte dem Armeeradio, dass ‘diese Vorschläge nur dazu dienen, Unruhe in der israelisch-arabischen Gemeinschaft, Konfrontationen und eine Welle des Hasses und der Gewalt hervorzurufen, die die Partei ‘Unser Haus Israel’ stärken und legitimieren sollen.’
Sami Michael, Leiter der Vereinigung für Bürgerrechte in Israel erklärte gegenüber Yedioth Ahronot, dass, die Erinnerung an die Nakba keineswegs die Sicherheit Israels bedrohe und ein legitimer Ausdruck von Gefühlen sei, die einzelne oder ein ganzes Volk empfinden.
Nicht einmal eine Woche verging und der Kabinettssekretär Zwi Hauser legte Ende Mai eine überarbeitete Fassung der Nakba-Gesetzes-Initiative der Knesset vor. Demnach sind Aktivitäten, die die Etablierung des israelischen Staates als Katastrophe begehen, nicht verboten. Institutionen, die eine solche Aktivität aber unterstützen, werden keine staatliche Förderung erhalten.
Er führte aus, dass es nicht darum ginge, die Meinungsfreiheit von Palästinensern in einem demokratischen Land einzuschränken, sondern das Recht des israelischen Staates, keine staatlichen Gelder für Aktivitäten auszugeben, die dessen Existenz als Katastrophe bezeichnen.

So obskur und beschämend dieser Gesetzentwurf auch ist, man sollte ihm hinsichtlich seiner Umsetzung nur bedingt Bedeutung beimessen, denn bis diese Rechtsvorschrift Gesetzeskraft erlangt, muss sie zunächst drei Lesungen in der Knesset passieren. Der Gesetzentwurf kann verändert, für ungültig erklärt werden; und wie es sich bereits in diesem Fall abzeichnet, stößt der Entwurf sowohl innerhalb der Rechtskoalition als auch in der Opposition auf harsche Kritik.
Als positiver Effekt kann vermerkt werden, dass mit diesem Gesetzvorschlag ein Diskurs in Gang gesetzt wurde, der das öffentliche Bewusstsein erreicht hat.

Nakba ist kein obszönes Wort

In diesem hoffnungslos verworrenen Dickicht, sollte das Augenmerk zur Abwechslung auf diejenigen gerichtet sein, die sich trotz kultureller Unterschiede und Lebensläufe um den Dialog bemühen und ein gleichberechtigtes Nebeneinander herbeisehnen.
In Verbindung mit dem Nakba-Gesetzentwurf darf hier die Organisation Zochrot, hebräisch für ‘Erinnern’, die in Tel Aviv 2002 gegründet wurde, nicht unerwähnt bleiben. Ihre Mitglieder, Unterstützer, Zuhörer, Interessenten haben erkannt, dass Distanz, tiefes Misstrauen, Angst, Schuldzuweisungen, das sture Beharren auf dem eigenen Opferstatus letztendlich nur als idealer Nährboden für den Kreislauf der Gewalt auf beiden Seiten dient. Zochrot hat sich zum Ziel gesetzt, die Nakba ins öffentliche Bewusstsein der israelisch jüdischen Gesellschaft zu bringen.
Zum Gesetzesvorschlag sagt Eitan Bronstein, Gründer von Zochrot dass, ‘der Vorschlag, juristisch die Gedenkveranstaltung der Nakba an Israels Unabhängigkeitstag zu verbieten, die wachsende Beklemmung in Israel widerspiegele über die unvermeidliche Begegnung mit der palästinensischen Nakba und dem Verständnis, dass die Nakba ein grundlegender Teil der israelischen Identität ist. Bis vor kurzem konnte man die Bedrohung der Nakba kaum spüren. Es bestand keine Notwendigkeit, diesen verdrängten Dämon zu bekämpfen, der sich plötzlich offenbaren und die scheinbare Ruhe einer harmonischen jüdischen Demokratie unterbrechen könnte. Die Nakba ist jedoch weder ein Dämon noch ein Resultat einer blühenden Fantasie. Daher sollte man auch die Herausforderung nicht unterschätzen, die sich der israelischen Gesellschaft stellt: Nämlich das Anerkennen, dass Israel 1948 an der Vertreibung der meisten palästinensischen Einwohner beteiligt war, an der Zerstörung zahlreicher palästinensischer Orte (über 500), der Vernichtung der städtischen palästinensischen Kultur sowie unzähliger Massaker, Vergewaltigungen, Plünderungen und Enteignungen. Man braucht Mut und Reife, in einen derart dunklen Spiegel zu schauen wie dies die Wissenschaftler Morris, Gelber, Milstein, Khalidi, Pappe und andere mit ihren Nachforschungen getan haben, ebenso Netiva Ben Yehuda und Yosef Nahmani mit ihren Tagebüchern…’

Zochrot dokumentiert und thematisiert Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der palästinensischen Nakba. Sie ist darum bemüht diese anhand  Fotografien, Texten, Berichten, Gesprächen, Dokumenten, Karten etc. sichtbar zu machen, Tabuthemen und Konventionen zu brechen, um einen Umdenkungsprozess in der jüdisch-israelischen Gesellschaft in Gang zu setzen, die dieses Kapitel der Geschichte aus ihrem kollektiven Gedächtnis eliminiert hat.
Die Mitglieder von ‘Zochrot’ veranstalten regelmäßige Exkursionen und begeben sich auf historische Spurensuche zu den nicht mehr existierenden arabischen Dörfern. Palästinensische Zeitzeugen begleiten diese Touren und berichten über die damaligen Geschehnisse. Gedenktafeln werden in den jeweiligen Orten angebracht, um an die alten arabischen Dorfnamen zu erinnern, welche jedoch von den Bewohnern innerhalb kürzester Zeit entfernt werden.
In den Büroräumen von ‘Zochrot’ in der Ibn Gvirol Straße finden Veranstaltungen, Diskussionen und Ausstellungen statt. Dem Interessenten steht umfangreiches Informationsmaterial zur Verfügung
Eitan Burnstein sagt, dass sich ‘ in den letzten Jahren Hunderte Israelis an ‘Zochrot’ gewendet, und um Informationsmaterial gebeten haben. Journalisten, Schriftsteller, Architekten sowie Menschen aus dem Film-, Fernsehen- und Theaterbereich, die mit der guten alten israelischen Geschichtsschreibung aufwuchsen, sind nun darum bemüht die verdrängte Vergangenheit dieses Kapitels aufzuarbeiten. Lehrer interessieren sich für das von Zochrot entwickelte Unterrichtsmaterial über die Nakba. Soldaten der Palmach wenden sich an Zochrot, um darüber zu berichten was sie 1948 sahen.’

Die Organisation entwickelte in Zusammenarbeit mit Lehrern sowie Hochschullehrern über einen Zeitraum von drei Jahren das Lehrpaket zur Nakba für Schüler ab 15 Jahren.
Die dreizehn Lerneinheiten beinhalten unter anderem eine Darstellung der palästinensischen Gemeinden vor und nach 1948, eine Einführung in die Geschichte der Nakba, die palästinensische Flüchtlingsfrage – das ‘Rückkehrrecht’, literarische sowie persönliche Ansichten der Nakba.
Im letzten Kapitel wird der Frage nachgegangen, auf welche Art und Weise dieses geschichtliche Kapitel aus dem öffentlichen Diskurs ausgegrenzt wurde und wie eine Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern möglich ist.
Das modulare Lehrprogramm ist so konzipiert, dass es Lehrern aus unterschiedlichen Fachbereichen ermöglicht das Material in ihrem jeweiligen Unterricht anzuwenden.
Laut Amaya Galili, die maßgeblich am Nakba-Lehrpaket beteiligt war, wird das Unterrichtsmaterial von einigen Lehrern bereits im Unterricht eingesetzt, auch wenn das Bildungsministerium noch nicht grünes Licht gegeben hat.
In der Auseinandersetzung mit diesem geschichtlichen Kapitel sieht sie eine wichtige Voraussetzung für Verständigung, aus dem Vertrauen und Versöhnung erwachsen kann, ohne das ein gleichberechtigtes, friedliches Zusammenleben keine Chance hat.

Ich ging wenige Jahre auf die israelische Schule. Weder in der Schule noch zu Hause war Nakba ein Thema. Der Araber war der Feind, das Wesen, das ‘mit Vorsicht zu genießen’ sei. Israel, ein kleines Land, nur von Feinden umgeben. Schon ein Tag nach der Gründung wurde das Land von seinen arabischen Nachbarstaaten angegriffen. Es galt das Überlebensprinzip und daran hat sich bis heute nichts geändert. Israel ist stets in Kampfstellung. Die Auswirkungen des endlos wiederholten Mantras ‘Selbstverteidigung’ zeigen sich in allen denkbaren Nuancen. ‘Der Krieg gegen den Terror’ ist zu einem Bumerangeffekt mutiert, der schon längst das zivile Leben der israelischen Gesellschaft durchdrungen und geprägt hat – eine Gesellschaft, die in einem kollektiven Dilemma steckt.
Nakba war nie ein Thema in Israel, sondern der Holocaust, und das von Kindesbeinen an. Ein traumatisiertes Volk hat das Land aufgebaut, in einer kurzen Zeitspanne Unglaubliches erreicht, aber leider auch vieles zerstört.
Die vielen Kriege haben dieses Land geprägt. Der Sechs-Tage-Krieg hat den Menschen ein irreales Gefühl der Macht verliehen und an grenzenlose Fähigkeiten glauben lassen.
Es ist somit nicht verwunderlich, dass die Armee, der militante Geist, allgegenwärtig ist und sich in der Politik als auch in der Gesellschaft breit macht.

This is not a love song

In der Tat, alle in Israel bedauern die Situation des palästinensischen Volkes, aber was will man machen, wenn die Araber die Existenz Israels verdammt nochmal nicht anerkennen wollen ??? Wem und was soll man trauen ??? Wie soll man hier eine Begegnung auf gleicher Augenhöhe anstreben, mit wem, warum und überhaupt ??? Und haben Sie schon vergessen, dass … und dies .. ??? … ???
Verzeihen Sie mir diesen emotionalen, unangemessenen und ganz unerwarteten Ausbruch, aber diese Fragen, man könnte sie auch Totschlagargumente nennen, höre ich auf die eine oder andere Weise seitdem ich auf dieser Welt weile, ich meine mich zu erinnern, sogar schon zuvor, also, bevor ich das Licht der Welt erblickte.

Der US-Publizist Charles Krauthammer formulierte es in der Washington Post von 05.06.09 so: ‘… In seiner groß angekündigten Rede an die islamische Welt in Kairo erklärte Obama, dass die ‚Situation’ der Palästinenser ‚inakzeptabel’ sei. Sie ist es in der Tat, das Ergebnis von 60 Jahren palästinensischer Führung, die ihrem Volk Korruption, Tyrannei, religiöse Intoleranz und erzwungene Militarisierung verschafft hat; einer Führung, die seit drei Generationen jedes Angebot von Unabhängigkeit und Würde ablehnt und eher Elend und Verzweiflung wählt als irgendein Abkommen zu akzeptieren, das nicht von der Auslöschung Israel begleitet ist…’

Sicherlich sind diese Aussagen nicht aus der Luft gegriffen. Wenn man sich jedoch den jetzigen israelisch-palästinensischen Konflikt anschaut, Prognosen anhand des Ist-Zustands in der Region anstellt und formuliert, so kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass Charles Krauthammers Argumentationsgrundlage sich einer verzerrten Wahrnehmung bedient, die einzig und allein zum Ziel hat, den israelisch-palästinensischen Konflikt am Leben zu erhalten. Wenn auch tief bedauert und betrauert, rechtfertigt sie die Tatsache, dass notgedrungen physische wie imaginäre Mauern als einzige Lösung des Konflikts angesehen werden können.

Israels Premierminister Binyamin Netanyahu hatte an der Bar-Ilan-Universität in Ramat Gan, in der Nähe von Tel Aviv am 14. Juni seine mit Spannung erwartete Grundsatzrede gehalten, in der er die Grundzüge seiner Außenpolitik dargelegte. Auch er brachte unmissverständlich zum Ausdruck, dass niemand in Israel einen Krieg möchte, ‘… ich kenne das Gesicht des Krieges. Ich habe Schlachten erlebt. Ich habe enge Freunde verloren. Ich habe einen Bruder verloren. Ich habe den Schmerz trauernder Familien gesehen. Ich will keinen Krieg. Niemand in Israel will Krieg.
Aber:
‘… 1947, als die Vereinten Nationen den Teilungsplan für einen jüdischen und einen arabischen Staat vorschlugen, wies die gesamte arabische Welt die Resolution zurück. Die jüdische Gemeinschaft hieß sie im Gegensatz dazu mit Jubel und Tanz willkommen. Die Araber wiesen jeden jüdischen Staat zurück, in jedweden Grenzen.
Diejenigen, die denken, dass die andauernde Feindschaft gegen Israel ein Produkt unserer Präsenz in Judäa, Samaria und Gaza ist, verwechseln Ursache und Wirkung. Die Angriffe gegen uns begannen in den 1920er Jahren, eskalierten in einem umfassenden Angriff nach der Unabhängigkeitserklärung Israels, gingen weiter mit den Fedayeen-Attacken in den 1950ern und kulminierten 1967, am Vorabend des Sechs-Tage-Krieges, in einem Versuch, eine Schlinge um den Hals des Staates Israel zuzuziehen. All dies geschah innerhalb von fünfzig Jahren, noch bevor ein einziger israelischer Soldat jemals Judäa und Samaria betreten hat.

Viele gute Leute haben uns erzählt, dass ein Rückzug aus den Gebieten der Schlüssel für einen Frieden mit den Palästinensern sei. Nun, wir haben uns zurückgezogen. Aber tatsächlich wurde jeder Rückzug mit massiven Terrorwellen beantwortet, mit Selbstmordattentätern und Tausenden von Raketen.


Wir haben jeden letzten Zentimeter des Gaza-Streifens geräumt, wir haben Dutzende von Siedlungen ausgerissen und Israelis aus ihren Häusern vertrieben, und als Antwort haben wir einen Hagel von Raketen auf unsere Städte und Kinder erhalten.
Die Behauptung, dass territoriale Rückzüge zum Frieden mit den Palästinensern führen werden, oder zumindest den Frieden fördern, hat bisher dem Test der Realität nicht standgehalten. Darüber hinaus, erklären die Hamas im Süden ebenso wie die Hisbollah im Norden wiederholt ihre Verpflichtung, die israelischen Städte Ashkelon, Be’er Sheva, Akko und Haifa zu ‚befreien’.
Territoriale Rückzüge haben den Hass nicht vermindert, und zu unserem Bedauern sind palästinensische Gemäßigte bislang nicht bereit gewesen, die einfachen Worte zu sagen: Israel ist der Nationalstaat des jüdischen Volkes, und so wird es bleiben.
…’

Dass Institut für nationale Sicherheitsstudien veröffentlichte am Vorabend der Rede von Ministerpräsident Binyamin Netanyahu, dass die große Mehrheit der israelischen Öffentlichkeit die ‘zwei Staaten für zwei Völker’ als einzig gangbare Lösung erachtet ( 2007 sprachen sich 63% der Befragten dafür aus, 2009 64% ).
Auf der anderen Seite befürworten nur 18 % der jüdischen Israelis einen direkten oder indirekten Dialog mit der Hamas. Dabei ist nur ein Drittel für einen Sturz der Hamas, „selbst auf dem Wege einer Besetzung des gesamten Gaza-Streifens“. Die verbliebenen 50 % unterstützen die Abschreckung der Hamas durch eine Militäroperation in Gaza (38%) oder die Fortsetzung der Blockade (10%).

Die Vision von zwei Völkern, die frei Seite an Seite leben, in Freundschaft und gegenseitigem Respekt, wie es sich Israels Premierminister Benjamin Netanjahu wünscht, ist in Anbetracht der Faktenlage, den Bedingungen und Zugeständnissen weiter denn je davon entfernt auch nur nennenswerte Fortschritte in dieser Richtung zu machen und den Konflikt aus einer radikalen anderen Perspektive zu betrachten, sich die Frage zu stellen, ob und inwieweit die eigene Wahrheit wahrer ist als die des Gegners.
Wenn Respektlosigkeit, Arroganz, Ignoranz, Demütigung, Missachtung allgemeiner Menschenrechte, Entwürdigung, Misstrauen, Angst, Verunsicherung, Brutalität an der Tagesordnung sind, entbehrt jede noch so blumige, romantische, leidenschaftliche, verheißungsvolle Botschaft des friedlichen Dialogs ihrer Grundlage.
Die Kluft zwischen Palästinensern und Israelis wird mit allen denkbaren Mitteln ins Unermessliche getrieben. Am Ende ist nur ein Horrorszenario vorstellbar, von dem der Staat Israel nicht verschont bleiben wird.
Die israelische Politik scheint von einem Wahn getrieben zu sein, eine grundlegende Veränderung ist nicht abzusehen. Wozu denn auch, hat nicht David Ben-Gurion gesagt, ‘es ist nicht wichtig, was die Gojim (Nichtjuden) sagen. Wichtig ist, was die Juden machen.’
Damit die Welt weiter in die Irre geführt wird, sucht man mit einer peinlichen, nervigen akribischen Genauigkeit nach Fehlern, die sich an das auserwählte Volk richten, damit man lauthals rufen kann, ‘die Welt ist gegen uns’.
Ob man sich dabei lächerlich macht oder nicht – wenn interessiert es schon?
Schmollen auf höchstem Niveau ist angesagt und ein paar Trumpfkarten hat man ja sowieso immer parat.

Die Entwicklungen haben in den letzten Jahren erschreckende Ausmaße angenommen. Auch wenn sich meine Kritik ganz bewusst an Israel richtet, darf der andauernde, ungelöste innerpalästinensische Konflikt, der auch ein Kernproblem bei allen friedlichen Bemühungen bildet und unter dem das palästinensische Volk seit Jahrzehnten zu leiden hat, nicht in Vergessenheit geraten und unterschätzt werden. Es ist höchste Zeit, dass seitens der palästinensischen Regierung alle Anstrengungen unternommen werden, politische, gewaltlose Strategien zu entwickeln.
Auf der ‘anderen Seite’ wachsen Generationen heran, die isoliert und abgeschnitten von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen, und von einer geistigen und materiellen Armut umgeben sind. Sie sind Gewalt und Schikanen ausgesetzt und kennen ‘die Nachbarn’, ein paar Kilometer entfernt nur als Besatzer und Unterdrücker.
Eine Lösung für die Menschen dort ist aber nur realisierbar, wenn sich parallel zu den Bemühungen auf palästinensischer Seite die israelische als auch die internationale Politik ganz grundlegend verändert.

Die Rede von Israels Premierminister Binyamin Netanyahu hat deutlich gemacht, dass die palästinensische Seite aufhören sollte nach den Sternen zu greifen, um immer wieder vom Neuen darüber erstaunt, verärgert, enttäuscht zu sein, dass sich mit der israelischen Regierung keine ganzheitliche Lösung erzielen lassen wird.
Die Zweistaatenlösung bleibt zum jetzigen Zeitpunkt eine Fatamorgana und kann in der sich zuspitzenden Situation nicht herbeigezaubert werden. Aus gegenseitiger Angst und wechselseitigem Misstrauen heraus, kann kein nachbarschaftliches, friedvolles Zusammenleben erwachsen.

Wie kann der Teufelskreis in dieser Region mit aller Konsequenz durchbrochen werden?
Eine wirksame Alternative zur Politik des Krieges entsteht womöglich durch den Teil der Bevölkerung, der sein Schicksal selbst in die Hand nimmt, der schon längst erkannt hat, dass der Nahostkonflikt militärisch nicht zu lösen ist, und nur zu mehr Rücksichtslosigkeit, Grausamkeit und blindem Gehorsam führt. Diejenigen, die erkannt haben, dass Sicherheit durch Stärke und territoriale Expansion fatale Folgen haben. Die erkannt haben, dass Frieden und Sicherheit, ohne die Anerkennung der legitimen Rechte des palästinensischen Volkes einschließlich eines eigenen Staat nicht zu gewährleisten sind.
Eine solche Bewegung, die vom Volk ausgeht und die Massen mobilisiert, kann natürlich nur eine jüdisch-arabische Bewegung sein. Der Moment eines solch historischen Ereignisses, der einen deutlichen Wendepunkt in der Region auslösen würde, ist leider noch nicht erreicht.


Tel Aviv, März 2009

weitere Informationen:

Eitan Bronstein stellt zu Beginn des Beitrags die Arbeit von Zochrot vor:

‘Al Nakba’ – die palästinensische Katastrophe – Beitrag vom 26.02.2009 Dauer 43:50

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Tel Aviv durch die Linse – zwei Fotoausstellungen

15. Mai 2009 · Keine Kommentare

Zum 100. Geburtstag Tel Avivs zeigt das Jüdische Museum Berlin zwei Fotoausstellungen.
Zusammen mit der Fotoagentur Magnum präsentiert das Museum erstmals in einer Ausstellung Werke von acht Magnum-Fotografen, die das Schicksal der ersten jüdischen Stadt in Palästina anhand von Ereignissen und Impressionen seit der Staatsgründung illustrieren.
Mit einem ganz anderen fotografischen Blick nähert sich die Berliner Fotografin Frieda Mayer der Stadt, in die sie 1933 emigrierte. Eine Auswahl ihrer Werke aus den 1930er bis 1950er Jahren zeigt die Kabinettausstellung »Von Berlin nach Tel Aviv«.

Zur Ausstellung »Tel Aviv. Durch die Linse von Magnum Fotografen«

Acht Magnum-Fotografen haben in den vergangenen 60 Jahren die Entwicklung der Stadt Tel Aviv mit ihrer Kamera begleitet. Zum 100. Geburtstag der Stadt zeigt das Jüdische Museum Berlin zusammen mit der Fotoagentur Magnum erstmals in einer Ausstellung 53 dieser Fotografien. Ihre Bilder der Stadt sind so bunt und verschieden wie die Biografien der Fotografen. Sie alle sind geprägt durch die Erfahrung der Migration und spiegeln in ihrer kulturellen Vielfalt auch ein wichtiges Merkmal Tel Avivs wieder. Den Anfang macht der amerikanische Fotograf Robert Capa, der als Kriegsreporter bekannt wurde und zu den Gründern der Fotoagentur Magnum gehört. Als Sohn jüdischer Eltern wurde er in Budapest geboren, studierte in Berlin und flüchtete 1933 zunächst in verschiedene europäische Länder und schließlich nach Amerika. Er dokumentierte die Ereignisse um die Staatsgründung im Jahre 1948.

Einziger Ortsansässiger unter den ausgestellten Magnum-Fotografen ist der in Berlin geborene Micha Bar Am. Er flüchtete 1936 nach Palästina und verfolgt seit Mitte der 1950er Jahre die politischen Ereignisse in Israel – die Kriege und den Friedensschluss mit Ägypten ebenso wie die Einwanderung von russischen und äthiopischen Juden seit den 1980ern. Der amerikanisch-jüdische Fotograf Leonard Freed dokumentiert mit seinen Aufnahmen Israels Situation 1967/68 und während des Yom Kippur Krieges 1973. Ein weiteres einschneidendes Ereignis der israelischen Geschichte reflektiert der iranische Fotograf Abbas mit seinen Bildern von den Ereignissen um die Ermordung Izchak Rabins im November 1995.

»In Haifa wird gearbeitet, in Jerusalem gebetet und in Tel Aviv gefeiert« – dieses Bekenntnis zum Hedonismus illustrieren besonders eindrucksvoll die Fotografien von Paolo Pellegrin und von Patrick Zachmann: Szenen aus dem gegenwärtigen Strand- und Nachtleben, für das die Stadt so berühmt ist. Sie werden ergänzt durch Tel-Aviv-Impressionen von David Seymour und Erich Hartmann aus den 1950er Jahren – etwa die betenden Frauen am Strand von Tel Aviv, die am ersten Tag von Rosh ha-Schanah, dem jüdischen Neujahrsfest, ihre Sünden ablegen, indem sie Steine oder Brotkrumen ins Wasser werfen.

Die Fotoagentur Magnum wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von Fotografen für Fotografen gegründet. Gemeinsam wollten Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, David Seymour und George Rodger an Projekten arbeiten, an die sie glaubten, und vor allem wollten sie das Urheberrecht an ihren Fotografien behalten. Für die Agentur, die nach der Champagnerflasche benannt ist, die bei ihrer Gründung geleert wurde, arbeiten heute etwa sechzig Fotografen auf der ganzen Welt.

Eine Ausstellung des Jüdischen Museum Berlin in Zusammenarbeit mit Magnum Photos.

Wann: 14. Mai 2009 bis 30. August 2009
Wo: Libeskindbau EG, Eric F. Ross Gallery
Eintritt: mit dem Museumsticket (5 Euro, erm. 2,50 Euro)

Zur Kabinettausstellung »Von Berlin nach Tel Aviv. Die Fotografin Frieda Mayer«

Die privaten Fotografien von Frieda Mayer zeigen die Stadt Tel Aviv aus einer Binnenperspektive. Die Berliner Fotografin verließ 1933 ihre Geburtsstadt und emigrierte mit Mann und Sohn nach Tel Aviv. Mit der Kamera dokumentierte sie die Abreise aus Berlin, die Fahrt mit dem Schiff Vulcania von Italien nach Palästina und den Neubeginn in Tel Aviv

Ihr neugieriger fotografischer Blick auf die neue Heimat fängt Stadtansichten, Straßenszenen und Porträts ein. Viele Ereignisse fotografierte sie aus ihrem Studio im ersten Stock der Allenby Straße, die bis in die 1930er Jahre die Hauptschlagader der Stadt war. Ihr fotografischer Nachlass umfasst ca. 800 Originalnegative. Im Jüdischen Museum ist eine Auswahl von 32 ihrer Fotografien aus den 1930er bis 1950er zu sehen sowie einige biografische Fotografien und Dokumente. Ausgestellt ist auch die Kamera, die Frieda Mayer am häufigsten verwendete – eine Mittelformatkamera Zeiss Ikon.

Frieda Mayer wurde 1892 in Berlin geboren und wuchs in einer assimilierten jüdischen Familie auf. Ihre Ausbildung erhielt sie an der Photographischen Lehranstalt des Lette-Vereins. In Tel Aviv arbeitete sie weiter als Fotografin und betrieb ein Studio für Fotografie und Design. Sie starb 1971 in Tel Aviv.

Wann: 14. Mai 2009 bis 16. August 2009
Wo: Rafael Roth Learning Center in der Dauerausstellung
Eintritt: mit dem Museumsticket (5 Euro, erm. 2,50 Euro)

weitere Koordinaten:

Adresse
Jüdisches Museum Berlin
Lindenstraße 9-14, 10969 Berlin
Info: (030) 259 93 300
Fax: (030) 259 93 409
info@jmberlin.de
fuehrungen@jmberlin.de

Öffnungszeiten
Montag: 10-22 Uhr
Dienstag-Sonntag: 10-20 Uhr
Letzter Einlass für Besucher ist dienstags bis sonntags 19 Uhr, montags 21 Uhr.

Eintrittspreise
Erwachsene: 5 Euro
Ermäßigt: 2,50 Euro
Kinder bis zum sechsten Lebensjahr: Eintritt frei
Familienticket (zwei Erwachsene, bis zu vier Kinder): 10 Euro
Audioguide: 2 Euro (plus Personaldokument als Pfand)

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Rosa Luxemburg in Tel Aviv angekommen

28. April 2009 · 3 Kommentare

Durch eine rein zufällige kurze Begegnung auf einer Geburtstagsparty, auf der es vordergründig darum ging, das 30. Lebensjahr einer Mitbewohnerin wild und ausgelassen zu feiern, erfuhr ich, dass anlässlich der Eröffnung des Auslandsbüros der Rosa-Luxemburg Stiftung (RLS) in Tel Aviv, am 12.3.2009 ein Symposium mit dem viel versprechenden Titel ‘Das Vermächtnis Rosa Luxemburgs für deutsche und israelische Linke’ veranstaltet wird. Natürlich war ich gewillt mehr zu erfahren und so bekam ich eine Einladung zugeschickt.

Die Konferenz fand mit Simultanübersetzung in deutscher und hebräischer Sprache statt. Das Programm eröffneten die Leiterin des Büros, Dr. Angelika Timm, der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Harald Kindermann, und Dr. Florian Weis, Geschäftsführer der RLS Berlin. Zu den Referenten zählten Vertreter des linken politischen Spektrums aus Israel und Deutschland.

Thematische Schwerpunkte des Symposiums waren:
Rosa Luxemburg
– Jüdische Revolutionärin und Internationalistin;
Spuren Rosa Luxemburgs in Palästina/Israel;
Das Vermächtnis Rosa Luxemburgs für heutige Linke und ein Podiumsgespräch zum Thema: Rosa Luxemburg – aktuell und modern.

In dem Panel ‘Das Vermächtnis Rosa Luxemburgs für heutige Linke’ sprach als deutsche Vertreterin die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags und Abgeordnete der Partei DIE LINKE, Petra Pau.
In meiner Einladung war ihre Rede mit dem Titel ‘Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden – Rosa Luxemburg und die heutige Linke’ angekündigt.
Vor Ort wurde die Rede jedoch mit ‘Gedanken zur Freiheit durch Sozialismus’ benannt

Es ist eine reine Vermutung, aber mich beschlich der Gedanke, dass der Israel-Boykottaufruf des Duisburger Linkepolitikers, Hermann Dierkes, der Ende Februar 2009 eine Welle der Empörung auslöste, Petra Pau dazu bewog, den Titel ihrer Rede zu ändern, um so einer möglichen hitzigen Debatte im Journalistenhaus ‘Bet Sokolov’ in Tel Aviv zu entgehen.
Zur Erinnerung: Im Zusammenhang mit dem jüngsten Angriff auf Gaza, vertrat Hermann Dierkes die Meinung, dass eine Maßnahme, den Palästinensern zu Gerechtigkeit zu verhelfen, darin bestehen könne, dem Aufruf des Weltsozialforums zu folgen und den Boykott israelischer Produkte zu unterstützen, um Druck auf die israelische Regierung auszuüben.
Aufgrund des Mediendrucks und des Antisemitismus-Vorwurfs hat Hermann Dierkes seine Kandidatur als Oberbürgermeister wegen des umstrittenen ‘Boykottaufruf gegen Israel’ zurückgezogen und sein Amt als Fraktionsvorsitzender der Linkspartei im Duisburger Rat niedergelegt.

Dennoch, ‘Rosa Luxemburgs Vermächtnis für heutige Linke’ stand auf dem Programm.
In ihrem Vortrag betonte Petra Pau,

man darf soziale Rechte und individuelle Freiheits- und Bürgerrechte weder hierarchisieren, noch gegeneinander aufrechnen. Deshalb reicht es auch nicht, wenn Linke sich sozial engagieren und Kriege ablehnen. Wir müssen immer auch als aktive Bürgerrechtler unterwegs sein!

Sie zitierte aus den programmatischen Eckpunkten ihrer Partei den Satz:

Gleichheit ohne individuelle Freiheit endet in Entmündigung und Fremdbestimmung. Freiheit ohne Gleichheit ist nur die Freiheit für die Reichen.’

Wenn man in Tel Aviv im Saal sitzt, Begriffe wie ‘Bürger- und Freiheitsrechte’ oder ‘Gleichheit’ durch den Raum gewirbelt werden und zeitgleich, weniger als 80 km entfernt, die Menschenrechte mit Füßen getreten werden, Menschen systematisch ausgegrenzt und entrechtet werden, so wartet man gespannt darauf, dass in der Rede der Bogen zum israelisch-palästinensischen Konflikt und zur aktuellen Israel-Debatte innerhalb der Linkspartei geschlagen wird.
Vergebens.

Fast ein Jahr zuvor hielt Petra Pau im Bundestag  am 29.Mai.2008 eine Rede zum 60. Jahrestag Israels. Sie verwies darauf:

Es darf keinerlei Zweifel am Existenzrecht Israels geben. Aber es darf auch keinen Zweifel am Recht der Palästinenser geben, in Würde zu leben. Wir sind in einer Doppelverantwortung. Wir sind Jüdinnen und Juden gegenüber in tiefer Schuld. Aber genau deshalb darf es auch nicht sein, dass Palästinenser unter der historischen Schuld Deutschlands leiden.

Petra Pau tritt für Bürgerrechte und Demokratie und gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus ein. Warum also ausgerechnet in Tel Aviv das Schweigen zur aktuellen Lage in Israel?
Ist diese ‘tiefe Schuld’ gegenüber Juden und Jüdinnen so mächtig, dass man es vorzieht, möglichen Auseinandersetzungen nur einen begrenzten Raum zu bieten, um ja nicht die Gemüter zu erhitzen, um nicht in Verruf zu geraten, Israel zu dämonisieren.

Man bekam den leisen Verdacht, dass an diesem Tag seitens der RLS weitgehend Konsens darüber herrschte, dass israelkritische Positionen der Partei DIE LINKE hier keiner weiteren Reflexion benötigten, ja im Allgemeinen der israelisch-palästinensische Konflikt am Besten nicht beim Namen genannt werden sollte.
Enttäuschend war auch, dass neben einigen israelischen Referenten wie Moshe Zuckermann, Gadi Algasi, Tamar Gozansky, Dov Khenin, Shulamit Aloni kein einziger israelisch-arabischer Vertreter zugegen war.

Wenn es der Leiterin der RLS in Tel Aviv, wie sie betonte, darum ging, in Israel Kenntnisse über Deutschland und Positionen der deutschen Linken zu vermitteln, dann konnte jedenfalls in dieser Veranstaltung diesem Anspruch nicht gerecht werden.

Das Schweigen der RLS zum ‘Fall von Hermann Dierkes’, zur aktuellen Israel-Debatte der Linken in Deutschland, ist erneut kennzeichnend dafür, dass kritische Äußerungen gegenüber Israel nur wohl durchdacht geäußert werden  – man kann sich allzu leicht um Kopf und Kragen reden.
Es ist kein Geheimnis, Boykott-Aufrufe gegen Israel werden weltweit auch unter Juden und Jüdinnen laut. Man kann unterschiedliche Ansichten darüber vertreten, inwieweit ein Aufruf zum Boykott israelischer Produkte sinnig und effektiv ist. Diese Menschen als ‘Antisemiten’ und ‘Israelhassende’ zu verorten ist schlicht und ergreifend fehl am Platz.
Schnell, leichtfertig und überzogen werden Israelkritiker als Antisemiten stigmatisiert, und die Wortwächter übertreffen sich in ihrer Empörung, sodass jede Diskussion und kontroverse Debatte im Keim zu ersticken droht – zum Leidwesen der Palästinenser und natürlich auch aller Israelis, Juden, Nichtjuden, die gegen das Unrecht kämpfen und ein gleichberechtigtes und friedliches Zusammenleben anstreben.
Als Jüdin erlaube mir zu sagen, dass der Israel-Boykottaufruf von Hermann Dierkes bei mir nicht die Assoziation ‘Deutsche, kauft nicht bei Juden’ hervorgerufen hat – nicht im Geringsten.
Der Zentralrat der Juden, sprach diesbezüglich von ‘Antisemitismus pur’ und dass es sich um ‘ein Stück moralische Verkommenheit und Skrupellosigkeit’ handele. Die Medien- und Parteienlandschaft stimmte in diesen Kanon ein.
Begriffe wie ‘Antisemitismus’, ‘Israelhasser’ breiten sich großflächig am Himmel in riesigen Lettern und Neonfarben aus, blinken – unaufhörlich. Die Entrüstung über antisemitische Tendenzen werden so laut, dass man jegliche weitere Diskussion für unwürdig erachtet, sie tabuisiert.

Ja, man kann natürlich diesen Boykottaufruf angesichts der deutschen Geschichte als geschmacklos erachten, gleichzeitig fragt man sich, wie lange das Schreckliche, das Unvergleichliche, das die Deutschen den Juden angetan haben, politisch instrumentalisiert werden soll, um Menschen zum Schweigen zu bringen, sobald sie sich kritisch gegenüber Israels Besatzungspolitik äußern.
Mit dem leichtfertigen Antisemitismus-Vorwurf läuft man zunehmend Gefahr, dass die wahre Bedeutung von Antisemitismus schleichend einen (historischen) Wandel erfährt und somit verharmlost wird.

In der Tat, wenn innerhalb Deutschlands und Europas der ‘Holocaust’ und die Vorgehensweise der ‘israelischen Besatzungsmacht’, ein ‘Israeli’ und ein ‘Nazi’ in einem Atemzug genannt werden, dann ist es ein unverzeihlicher Versuch, die Geschichte umzuschreiben, um sich der Schuld zu entledigen oder sie zu relativieren.
Zugleich bleibt es auch unverantwortlich und kontraproduktiv, sich an solchen Aussagen festzuklammern, in überschäumender Fassungslosigkeit zu baden, dem so viel Bedeutung beizumessen, dass man es schafft, das Unrecht, welches in den besetzten Gebieten tagtäglich passiert zu verharmlosen und auszublenden.

Während ich dies schreibe, komme ich auf die Idee, die Website des Zentralrats der Juden in Deutschland durchzuklicken und die Nachrichten zu lesen.
Ich bin sprachlos. Schon immer war ich der Meinung, dass das Auftreten des Zentralrats der Juden in der Öffentlichkeit mit mir als Jüdin nichts gemein hat, aber wenn man sich dort die Schlagzeilen durchliest, frage ich mich, ob hier nicht etwas Grundlegendes schief läuft.

Der Zentralrat der Juden ist empört… Der Zentralrat der Juden ist entsetzt… Der Zentralrat der Juden protestiert… Der Zentralrat der Juden kritisiert… Der Zentralrat der Juden warnt… Der Zentralrat der Juden reagiert… Der Zentralrat der Juden übernimmt… Der Zentralrat der Juden besorgt… Der Zentralrat der Juden fordert… Der Zentralrat der Juden befürwortet…

Ah, interessant, was denn?

CDU-Vorstoß zu Deutsch als Amtssprache.

Unter der aktuellen Überschrift ‚Der Zentralrat der Juden begrüßt Absage Deutschlands an UN-Konferenz’ ist Folgendes zu lesen:

Es ist ein mutiger Schritt der Bundesregierung, die Teilnahme an der Anti-Rassismus-Konferenz abzusagen und somit ein wirkliches Zeichen gegen Rassismus und Antisemitismus zu setzen.

Was ist bitte daran ‘mutig’ ? Ich weiß es nicht, jedenfalls müssen die Beteiligten des Zentralrat der Juden vor Glück in die Luft gesprungen sein, bei so viel Ärger ist es ja auch allzu verständlich.

Machen wir uns nichts vor, der Zentralrat der Juden hat es nicht leicht. Er dreht durch, spielt verrückt, schlägt um sich. Der Zentralrat der Juden ist verbittert und enttäuscht.
Ich glaube, der Zentralrat der Juden mag mich jetzt auch nicht mehr – damit ist nun wirklich nicht zu spaßen.


Tel Aviv, März 2009

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Woyzeck am Strand

6. April 2009 · 1 Kommentar

Auf meinem Weg in südlicher Richtung der Stadt, entlang der Nachlat Benjamin Straße, der Stoffmeile Tel Avivs, lief ich an einem Photogeschäft vorbei und beobachtete aus dem Augenwinkel, wie eine Frau einen Mann fragte, ob dieser jemanden kenne, der Deutsch spricht.
Er verneinte ihre Frage, indem er in Zeitlupentempo seinen Kopf von rechts nach links bewegte, sie dabei verzweifelt anblickte, um so seinem Bedauern über die Sachlage Nachdruck zu verleihen.

Mein erster Gedanke: ‘Ich spreche Deutsch, aber ist das ein Grund jetzt auf sich aufmerksam zu machen?’ Nach einem kurzen ‘einerseits und andererseits’ steuerte ich auf sie zu und bot meine Hilfe an. Die Begeisterung darüber ging fast ins Unermessliche.
So gingen wir in das Photogeschäft hinein. Sie, Danielle, schlug aufgeregt ihr Notizbuch auf und fing an, mich nach der Bedeutung merkwürdiger Begriffe zu fragen, die da wären – ‘immerzu’, ‘Zickwölfin’, ‚Stecken’, ‚Zapfenstreich’ und andere Begrifflichkeiten, die ich Ihnen hier ersparen möchte.
Mein zweiter Gedanke war: ‘Na, so gut spreche ich auch wieder nicht Deutsch.’

Angestrengt versuchte ich all ihre Fragen zu beantworten, wollte jedoch ab einem bestimmten Zeitpunkt wissen, woher diese Wörter stammen, da sich womöglich manches viel leichter im Zusammenhang erklären lässt.
Es stellte sich heraus, dass sie das Stück ‘Woyzeck‘ von Georg Büchner als ihre Abschlussarbeit im Fachbereich Theaterregie und -pädagogik am ‘Seminar Hakibbuzim‘  aufführt und Probleme mit der ins Hebräische übersetzten Vorlage hat.
Ich bot ihr an, das Stück in der Originalfassung zu lesen und sie bei dem Projekt zu unterstützen.

In der Schule hätte das Stück, schon der Name, schlagartig Ermüdungserscheinungen bei mir hervorgerufen. Ich empfand es jedesmal als eine Strafe, wenn wir genötigt waren diese Art von Texten zu lesen, zu interpretieren und wichtige Schlüsse daraus zu ziehen.
Die Zeiten haben sich seitdem geändert, ich verfahre in der Hinsicht nach dem Lustprinzip, und zu dem Zeitpunkt, als Danielle mir begegnete, war ich sehr interessiert, mir wieder ins Gedächtnis zu rufen, was sich hinter diesem Stück verbirgt.

Am Goethe Institut in Tel Aviv konnte sie mir die Originalvorlage kopieren, ich las den Text und wir trafen uns nach einer Woche im Cafe Bialik, gingen die Szenen durch, zogen zwischendurch weiter ins nahe gelegene Café und Antiquariat ‘der kleine Prinz’ (Ha nasich akatan) mit seinem tollen Garten in der Simta Plonit Straße.


In diesem Gebäude befindet sich das Goethe Institut

Während meiner Zeit in Berlin tauschten wir noch einige E-Mails aus und am Tag der Premiere, am 12.03.2009, sah ich dann als Dank meinen Namen im Programmheft aufgelistet.

Die Aufführung fand im „Seminar Hakibbuzim“ statt. Der Gebäudekomplex der Hochschule ist schön gelegen. Angenehme Atmosphäre, ideal zum Studieren. Die Hochschule befindet sich in Ramat Aviv, dem nördlichen Teil Tel Avivs.


Seminar Hakibbuzim
Seminar Hakibbuzim‘ (Hebrew)

Als Bühnenraum diente ein Bunker der Hochschule. Die Bühne minimalistisch, aus nacktem Beton, bediente sich fast ausschließlich der bereits in einem Bunker vorhandenen Ausstattung, die während des Stücks multifunktional eingesetzt wurde.

Das Stück dauerte 50 Min. und beschränkte sich auf 5 talentierte Schauspieler:


Woyzeck (Ofer Piper), Marie (Anat Eizik)


Woyzeck (Ofer Piper), der Doktor (Lior Hasson)


v.l.n.r.: der Doktor (Lior Hasson), Woyzeck (Ofer Piper), Andres (Amihai Elharar)


Marie mit Kind: Anat Eizik


Marie (Anat Eizik), Tambourmajor (Eyal Cioban)

Während sich die Dialoge nah an die Vorlage hielten, wurde die musikalische Untermalung von Jonathan Albalak gelungen neu interpretiert.

zum Nachhören:
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Das Publikum dankte es den tollen Schauspielern und der Regisseurin, Danielle Cohen Levy, mit tosendem Beifall.

Danielle Cohen Levy

Bühnenbild, -beleuchtung, Kostüme: Shani Tur
Choreografie: Ravid Savil
Musikalische Leitung: Jonathan Albalak
Direktion: Oranit Keshet
Photos: Hadas Motseri

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Tel Aviv wird 100 Jahre alt

5. April 2009 · Keine Kommentare

Ein Film von Gerd Helbig.

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‘Tel Aviv Beach’ in Wien

24. März 2009 · 2 Kommentare

‘Tel Aviv Beach’ am Donaukanal.
Und nicht in Berlin ? Wie kann das möglich sein ?

Wenn Sie dieses Jahr nicht nach Tel Aviv reisen können, jedoch einen Aufenthalt in Wien, Kopenhagen oder Paris planen, so sollten Sie sich den ‘Tel Aviv Beach’ nicht entgehen lassen.

„…
In diesem Jahr kommt sozusagen eine Mischung aus alldem dazu: Der Staat Israel wird von Mai bis September einen „Tel Aviv Beach“ betreiben. Direkt am Donaukanal gegenüber dem Club-Klassiker Flex wird Sand (1600 Kubikmeter) aus der jungen Metropole Israels aufgeschüttet, im Hintergrund des von der Wiener Architektengruppe „Share“ gestalteten Areals wird die Hochhaus-Skyline von Tel Aviv zu sehen sein, davor gibt es die originalen – nicht übertrieben edlen – Strandstühle und sogenannte Light Cones, große Leuchten, die wie beim Vorbild in Israel Großstadtromantik erzeugen sollen. Ausgelegt ist die Zone für mindestens 160 Personen. Neben Strandatmosphäre soll Boccia, Strandball, eine eigene Kindersandkiste und Matkot, das israelische Beach Tennis, geboten werden. Für den Proviant wird Haya Molcho verantwortlich sein, die Ende dieses Monats auch ihr neues Lokal am Naschmarkt eröffnen wird und bereits ab dem Soft Opening am 28. April israelische Gerichte und Getränke anbieten wird.

Anlass für diese ungewöhnliche israelische Botschaft in Wiens junger Szenemeile sind die 100-Jahr-Feiern der Stadt Tel Aviv, zeitgleich finden ähnliche Aktionen auch in New York, Paris und Kopenhagen statt. Das wegen seiner legendären Bauhaus-Architektur als „weiße Stadt“ bezeichnete Tel Aviv gilt auch als offizielle Partymetropole des Landes – und des östlichen Mittelmeers. Dass mit dem Projekt am Wiener Donaukanal nicht nur Imagewerbung für die 3,2-Millionen-Stadt gemacht werden soll, sondern auch noch für Israel, will Botschafter Dan Ashbel im Gespräch mit der „Presse“ gar nicht verhehlen: „Wenn in Österreich an Israel gedacht wird, dann denkt jeder an den Konflikt. Dass es auch ein junges Israel gibt und ein normales Leben geben muss, wird dabei oft vergessen.“ Das wichtigste Ziel seines Landes sei der Frieden, gerade Kultur und Szenealltag der vermutlich tolerantesten Stadt Israels zu vermitteln falle unter die sonst gerne als Worthülse verwendete Völkerverständigung.
Daher wird es am Tel Aviv Beach in Wien auch ein Kulturprogramm geben mit teils israelischen DJs – aber „ruhigem Sound“, um die Anrainer nicht zu verärgern –, einem Poetry Slam und kleinen Fashion-Shows – auf einer kleinen Bühne.“

Die Presse

Mit der nötigen Vorstellungskraft und entsprechenden architektonischen, kulinarischen sowie musikalischen Kulisse wird für ein paar Monate ein Stück Tel Aviv nach Europa transportiert. Klingt vielversprechend.
Die Idee setzt natürlich sonnige, schwülwarme Temperaturen voraus – schon deswegen sollte Berlin dieses Vorhaben auch in Erwägung ziehen.

September 2008

Dezember 2008

durch eine Sonnenbrille fotografiert

März 2009

→ 2 KommentareCategories: Fotografie

Tel Aviv Sonaten. Es gibt 88 Gründe ein Klavier zu lieben.

4. März 2009 · 3 Kommentare

Schon während meines Aufenthalts im Dezember 2008 klagte ich fast täglich darüber, wie schade es sei, dass ich in Tel Aviv nicht im Besitz eines Klaviers bin.
Nicht dass ich vor hatte, täglich Klavier zu spielen, aber zu wissen, dass ich es nicht könnte, wenn ich wollte, führte dazu, dass ich in kurzen, regelmäßigen Abständen, natürlich oft zusammenhanglos, mein Bedauern über die Situation zum Ausdruck bringen musste.
Den Gedanken, der meinen Kopf immer mal wieder durchstreifte, mir eventuell ein E-Piano zuzulegen, verfolgte ich nicht wirklich ernsthaft – vermutlich wohlwissend, dass sich eine bessere Lösung ergeben würde.
Und so kam es auch.
Eine Freundin aus Tel Aviv hat sich stillschweigend der Sache angenommen.
Kurz vor Neujahr und vor meiner Abreise nach Berlin, während ich am alten Hafen von Jaffa zwischen den vielen Baustellen umherlief, bekam ich ganz überraschend einen Anruf vom Sekretariat des “Israelischen Konservatoriums für Musik in Tel Aviv“, auch „Stricker Konservatorium“ genannt. Es sei kein Problem, nur ein paar Formalitäten wären erforderlich und mir würden sodann einige Räume, bestückt mit Klavieren, zur Verfügung stehen.

Nach meiner erneuten Ankunft in Tel Aviv machte ich mich auf den Weg zum Konservatorium. Die Formalitäten waren schnell erledigt. Mir wurden die entsprechenden Räume gezeigt, und ich war glücklich und erstaunt, wie unkompliziert diese Prozedur vonstatten ging.

Das Konservatorium in der Strickerstrasse ist seit Mai 2008 eine grosse Baustelle.
Das “Stricker Konservatorium” wurde 1945 gegründet. Es ist in drei Gebäudeeinheiten unterteilt: In das Auditorium, Baujahr 1988, welches entkernt und nun saniert wird,


Februar 2009

und in die beiden Seitenflügel von 1937, die zu Zeiten des britischen Mandats noch als Krankenhaus dienten und später die Klassen- und Übungsräume, Büros und die Bibliothek des Konservatoriums beherbergten. Diese beiden Anbauten wurden bereits abgerissen, auf ihren Grundflächen entstehen nun zwei neue Gebäude.

alte Aufnahme


Baupläne Quelle

Während der Bauarbeiten werden die Räumlichkeiten eines Gymnasiums in der Ben Yehuda Straße genutzt.
Das Flair einer Schule ist mit dem eines Konservatoriums nicht zu vergleichen.
Dennoch, neben der einzigartigen Möglichkeit dort überhaupt spielen zu dürfen, kann ich nun auch noch vom Klavier aus auf das Meer blicken.

Ausblick vom Gymnasium in der Ben Yehuda Straße

Seit 1988 steht das “Zentrum für Kammermusik” unter der Schirmherrschaft des „Stricker Konservatoriums“. Namhafte Musiker aus Israel und dem Ausland präsentieren dort ein breites Kammermusik-Repertoire.
Das diesjährige Konzertprogramm kann hier gesichtet werden.

Falls Sie zu gegebener Zeit in Tel Aviv weilen, sich für klassische Musik interessieren, so lohnt es sich, dem einen oder anderen Konzert zu recht günstigen Preisen beizuwohnen.
Bis das Konservatorium im neuen Glanz erscheint, finden die Konzerte in einem anderen Konzertsaal statt.

Lange Rede, kurzer Sinn. Falls Sie einen längeren Aufenthalt in Tel Aviv planen, gerne mehrmals in der Woche Klavierspielen wollen, ihr Vorhaben bisher nur daran scheiterte, dass Sie sich ratlos fragten, wie sie nur ihrer Spielsucht unter dem Tel Aviver Himmel frönen könnten, so kann ich Sie beruhigen, auch darauf müssen sie nicht verzichten.

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Um Himmels willen, Israel – II

20. Januar 2009 · 3 Kommentare


Time Out Tel Aviv, 8.1-15.1.2009

Aus dieser Ausgabe möchte ich einen Auszug aus dem Artikel von Itai Waldman, Kolumnist aus Tel Aviv posten, in dem er seine Verzweiflung und Fassungslosigkeit über die Situation in der Region zum Ausdruck bringt.
Aus dem Hebräischen ins Englische übersetzt. Seite 28

You sit on the sofa watching TV and you see the parade of politicians, ministers and generals, and all sorts of people that they find in the attic whenever there’s a war, because they wore a rank on their epaulets so they must know something about something, and everyone analyzes the event, and then we go to our correspondent in Sderot who interviews people where a rocket just fell that very second, and you listen to it all, and you simply refuse to believe that it’s happening again. Because the most frustrating thing about wars is that they never ask you. You’re living your life, in the center of Tel Aviv as it happens, trying to be a good citizen and just go with the flow from age 0 to 80, and to have a nice life, without hurting anyone and without being hurt by anyone else, and every few years, one fine morning, they drop a war on you. And you feel like shouting, ‘Hello?! Could we do this some other day? Because it really doesn’t work for me today; I had other plans. Like living, for example.’

But you can shout until tomorrow, because no-one is listening, and no-one really cares. Not in the places where they make decisions, at least. And you think it could be otherwise, and it could even be that you have some good advice up your sleeve, but with the cacophony of words coming at you from every direction you’re pretty sure that no-one will listen to you, and besides, how much does it really matter?

And then the IDF goes into Gaza, and by the end of the day the generals summarize the first day of the ground operation and say that it was a fantastic day and that we achieved all our goals (’what goals?’ you wonder naively to yourself), and sometime during the news broadcast, quietly and without moving his lips too much, the anchor announces that one of our soldiers was killed. And the subtext is that one dead in nine days is really nothing and we can be happy and go to sleep with smiles on our faces because the operation is succeeding and everything is fine, but it’s 1 a.m. and you’re very cold and you can’t fall asleep so that probably means that nothing is fine.

And all you can think about is that poor boy who last week was hanging out with his friends at the mall, and after that he went to see a movie with his girlfriend, and then they went back to his place, and they made love the way you do when you’re 18, quietly, because you still live at home and your parents are sleeping in the next room. And in the morning they get up together, and he goes to the army and they make plans to meet when he gets his next furlough, in another two weeks, and until then they will speak on the phone, ‘I’ll SMS you when I’m back at the base, so you’ll know I’m okay.’ And then the war starts, and they tell him he is going into Gaza, and she is worried, and he tries to calm her down, and she won’t be calmed, and he has to hang up, and she’s alive, and he’s dead.”
…..

And I know it sounds childish, but we’re tired of looking with grown-up  eyes at this torture rack called Israel. God knows we’ve tried. We went to the army and did our duty and went where we were told to go, and shot where they told us to shoot, and drugged the army, and stopped doing drugs just in time to stay focused and find a serious job, and looked for the right partner to start a family with, and we started to go out to parties a little less often, and in the morning we now read the politics section in the papers, not just the culture and sports, and in the evening we watch the news from beginning to end. We wanted to be grown ups, we really did, but not for this, damn it, not for this.
….

And now you’re frustrated. And your frustration is so big that you can uproot mountains and make buildings collapse. Frustrated, you watch the news hosted by Raviv Druker and Ofer Shelach, whom you usually like a lot, as they talk with some general from the reserves, and they start with that fascist mumbo jumbo, and Shelach says that the best way to fight in a heavily built-up area is to blow up the whole neighbourhood first and then to fight in an open area, and they laugh, they really, really laugh, and you think ‘How can you laugh? How are you able to laugh?’, and you feel as though you’ll never want to laugh again.

Wars have a certain cumulative quality. When you’re a kid and they bomb you, and your dad takes you in his arms and runs to the shelter, the whole situation is infused with a sort of weird childhood magic. And when you’re in the army and you enter a battle with your unit, you’re so brainwashed that it doesn’t really touch you. And you can even survive your first war as an adult civilian. But one day the moment comes when you just collapse.

And that’s what you feel is happening right now. That you don’t understand what they want from you. That you don’t understand why now. That everything looks so capricious, illogical, unfair. And you’re sad for everyone – the people of Gaza, the people of southern Israel, who didn’t do anything bad to anyone either, but mostly for yourself. You’re sad for yourself because you don’t want to to spend the rest of your life like this – from bombing to bombing, from injustice to injustice, from death to death. You’re sad for yourself because life has taught you that you only have yourself. And the only people you thought maybe you’re not sad about are the politicians, but then you give that a bit more thought, and you’re sad for them too. They’re so contemptible, so impotent, that it would be disgusting on your part not to feel grief for them.

War is something huge. Enormous. And you can look at it from so many different angles. You can talk about the causal factors, and you can talk about the disengagement from Gaza; you can try to understand if this is calculated as an election strategy, and you can talk about the crisis within the political left; you can talk about the wartime induction of the media, and you can talk about pathetic celebrities, that go to perform in the bomb shelters in a cynical attempt to revive their careers. But talking about all that will just make the war continue. And that is why the only subject worthy of discussion in wartime is the people who are dying. The newspapers should be filled with lines upon lines with the names of the dead, and who they were, and what they did, and what they wanted to do tomorrow morning but will never do. People who planned to live here with us, today, and to breathe the air that I breathe now when I write this text, and the air that you breathe when you read this text, and the only thing that touches their cold nostrils right now, is ash.


Auszug aus dem folgenden Videoclip mit englischem Untertitel:
Jonathan Shapira, reserve pilot, Black Hawk Captain, refuseniks:


It isn’t possible to bomb and kill civillians in quantities
and expect that everything will go as usual and we will go on
talking to our friends and families be somewhat leftist and
somewhat rightist watch ‘Erets Nehederet’ (sketch tv show) and
put the girl to sleep. It won’t just go on forever.

Civilian, opposes protest:

courage to fight, yes,
courage to defend, yes,
but courage to refuse ?
That’s treason.
There is no such thing
“courage to refuse”.

With beliefes, not here.
Here we have to live, with a belief you won’t live.
If you didn’t have the army you won’t be able to walk around here.

Fast täglich gehen Menschen in Tel Aviv-Jaffa auf die Straße und demonstrieren gegen den Krieg.
Hier einige Bilder:

Protest against the war, Jaffa, Israel, 17/1/2009.
More than 3000 Arabs and Jews marched from Tel Aviv to Jaffa protesting against the Israeli attack on the Gaza strip.


Photo: Meni Berman
FREEDOM
Against prisons, against ghettos, against slaughterhouses, against the occupation


Photo: Meni Berman


Photo: Meni Berman


Photo: Meni Berman
Jaffa Gaza, 1 Nation, 1 Question

Zu guter Letzt poste ich ein Gedicht eines Freundes.
שלוש פגיעות סומנו
בבנק נותרו פחות
מחר אמציא לי עוד כמה
אבל היום אני מוסרי

רודפים אחרי בסירנות
צבעים אדומים של שקיעה
מחר אהרוג את כולם
אבל היום אני מוסרי

שנים שהבלגנו על קסאם ברגיעה
אך היום הגיע זמן פרעון
הריבית לא מוגדרת – היא לבטח גבוהה
החלו לספור הרוגים ופצועים
כי היום אני אף יותר מוסרי

מלאך מול שטן
מחויב להרוג
גם אם ליד השטן עוד שלושה מלאכים
או שבעה, עשרה
מי יודע?
מלאך מול שטן
זו חובה לחסל
כי אני המלאך הממית שטנים וגם עוד אנשים
שחושבים שאני השטן -
מוזר, כי היום אני כה מוסרי

שלושים? חמישים? תלוי את מי שואלים
אדוני השופט, זו אינה אשמתי
זו מלחמה בַּטרור, מלחמה בְּטרור
ואני באמת באמת מוסרי
גם היום, גם אתמול, גם מחר

מאה ושמונים אומות
שטופות בתעמולת בני ערב
ואני היחיד שרואה נכוחה
אני היחיד שקורא עיתונים
עם כתבים מוסריים ועורכים צדיקים
גם אם לפעמים מדברים יהודים
ששונאים את עצמם עוד יותר מכולם

ליד מחבלים
ילדים גם מתים
וזו גם אשמתם
כי היו חייבים לעצור המחבלים
בעזרת קצת קפה ומעט שכנועים
אבל אלה ערבים -
מכניסים הם אורחים
עם רובים ולפעמים עם קסאם

אנחנו שונים, מוסריים, טהורים
כשאנחנו הורגים זה ללא כוונה
שלושים, חמישים, עד מאה ועשרים
במיוחד אם גדלת על ברכי אמונה
גאולה, אלוקים, גאולה
אוהביך ולומדי תורתך
זוכרים הם היטב ציווי עמלק
אז אפשר גם לירות על זקנה (בטעות)

דמי הילדים כלל אינם זועקים
פעימה אחרונה בלב נערות
מהקוקפיט רואה רק מטרות
בבור בקריה שומע רק צפצופים
אנחנו לא חיות
אנחנו לא חיות!
רק עברים מסכנים תחת איום
או עוורים מרצון, מבחירה
אל תטיף לי מוסר
אם תטיף לא אוכל להגיב
על טילים שנופלים על אחי בדרום
בטילים אחרים שישימו להם סוף

אז הכנתי טבלה
מוסר ואשמה
מורל מלחמה
בני אור ובני חושך
אנחנו והם
ככה נוח, נעים
כך אפשר להמשיך
אל תפריע, אני מנמנם

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Sharon Dolev: A lefty in Israel

15. Januar 2009 · Keine Kommentare

Sharon Dolev is a peace and human rights activist, head of the Regional Peace Movement for the promotion of the Arab Peace Initiative and runs Greenpeace Mediterranean campaign against nuclear weapons.

A lefty in Israel

Please allow me to steal a few minutes of your time, and share my feelings.

In the last few days, a small group has been demonstrating in the entrance of an Air Force base in Tel Aviv. The reason we stand there is that this is the place most air force fighters use to fly to their bases around Israel.

We hold signs calling on them to refuse orders to bomb civilians and children. This is one of many demonstrations against the war held by Israelis and taking place on a daily basis.

This very quiet vigil provokes very strong feelings among passers-by, the military, and the fire brigade across the street. The fire brigade, even though they are not allowed to express political opinions while on duty, threw eggs at us and, when we didn’t move, brought forward their fire engines, with cranes and tried to wash us away.

Since I happened to be on the edge of the vigil, they managed to use one hose to isolate me, and the other to get me soaked wet. When they decided I can’t get any wetter, they kept only the hose they used to separate me from the group, and came together, all in uniform, with their commanding officer, to rip my sign, and to tell me again and again, that I need to get inside the station and (my apologies) give them all head (oral sex).

The under-cover police were there. We kept calling the police asking them to send someone, and they did nothing.

We, at the more extreme left in Israel, always knew that we are, for some, fair game. That we, as they put it so nicely, “should be killed even before the Hammas”. Violence was always part of the response to our activities, but violence by the fire brigades, with the police refusing to act, is a new escalation.

We will continue our demonstrations, and we truly believe in what we do. But at the same time, we know that we are not effective. We are not effective because the media refuses to cover us.

The media in Israel refuses to cover us because it would harm the soldiers’ morale, and because, at times of war, we put democracy on hold and our “brave” media becomes drafted media.

But what about the media outside Israel? After all, they are all so interested in Israel. Why don’t they ever show us? Is it because it is too hard to show that not all is just black and white? Is it because it might not go well with the quite fair anti-Israel motions?

I know. My feelings, my disappointment, my fear, are nothing in comparison to the fear of the people, the families and the children in Gaza. They are also nothing in comparison to the people living in Sderot and in the south of Israel.

But today, I am afraid.

In my country, I’m a traitor. Fair game. But the minute I leave Israel, I’m an Israeli. Not a lefty. An Israeli, an occupier, and again – fair game.

And my last point is that there can be a million demonstrations around the world against Israel. That won’t make Israel listen. But a million demonstrations for Peace and full coverage of what we do here in Israel will keep us safer, and might make a difference.

Please, if you know reporters, if you have connections, ask media people to start showing Israeli opposition to the war. It is time our voice is heard.

If you demonstrate, please do it in a way that will make a difference. Not just anti-Israel, but with signs calling for a cease fire and the acceptance of UN resolution 1860 by both sides.

Thank you for listening.

Peace,

Sharon

Flughafen ‘Sde Dov

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Peaceman & Hopeman

12. Januar 2009 · Keine Kommentare

Life must go on in Gaza and Sderot

This blog is written by 2 friends. One lives in Sajaia refugee camp in Gaza and the other lives in Sderot, a small town near Gaza on the Israeli side. There is ongoing violence between Israel and Gaza which has intensified greatly since October 2000. Many have been killed and many have been injured. The media coverage on both sides has been extremely biased. Our Blog is written by 2 real people living and communicating on both sides of the border.

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נעמיקה ציון: יומן מלחמה משדרות

11. Januar 2009 · 1 Kommentar

מאת נעמיקה ציון
שדרות, חברה בקבוצת ‘קול אחר’, 8.1.09

“אני מדבר עם אנשי שדרות ולכולם חזר הסומק ללחיים”, התרברב פואד אצל רזי
ברקאי ביום השני למלחמה. “ככל שהמהלומה כבדה יותר – כך מתרחב הלב”. אז זהו,
שלא כולם פואד, לא כולם. וגם אם אני קול בודד בשדרות רבתי, ואני לא – מן
הראוי שישמע.
לא בשמי ולא למעני יצאתם למלחמה הזאת. מרחץ הדמים המתנהל מזה שבועיים בעזה
הוא לא בשמי ולא למען ביטחוני. בתים הרוסים, בתי ספר מופצצים, אלפי פליטים
חדשים –  הם לא בשמי ולא למען ביטחוני. בעזה אין זמן לטקסי קבורה, ואת המתים
מכניסים זוגות זוגות לתאי הקירור מרוב דוחק. הנה מוטלות גופותיהם שוטרים
שוטרים, ילדים ילדים, והכתבים החרוצים מלהטטים בין טקטיקות של הסברה מול
“התמונות שמדברות בעד עצמן”. מה יש להסביר, תגידו לי? מה יש להסביר?.
לא ביטחון ולא שקט קניתי לעצמי במלחמה הזאת. אחרי רגיעה חיונית כל כך שאיפשרה
לכולנו להחלים רגשית ונפשית ולחוות שפיות מחדש, החזירו אותי מנהיגנו אל אותו
מקום שרוט ועמוס חרדות. אל אותה חוויה משפילה של ריצה מבוהלת אל המרחב המוגן.

אל תטעו בי. החמאס הוא ארגון טרור רע ונורא. לא רק לנו. בראש וראשונה
לאזרחיו. אבל מעבר למנהיגות הארורה הזאת חיים בני אדם. בעמל רב בונים אזרחים
פשוטים משני צידי המתרס גשרים קטנים של מחוות אנושיות. כך עשתה קבוצת ‘קול
אחר’ משדרות ועוטף עזה שאני נמנית על חבריה, כשביקשה לסלול ערוץ אנושי אל
ליבותיהם של שכניה. בשעה שאנחנו זכינו לרגיעה בת חמישה חודשים, הם קרעו תחת
נטל המצור. בחור צעיר אמר לנו שאין בכוונתו להתחתן ולהביא ילדים לעולם, כי
בעזה אין עתיד לילדים. באבחת מטוס אחד שוקעות המחוות האלו אל מצולות היאוש
והדם.

אני פוחדת מהקסאמים. מאז פרצה המלחמה כמעט ולא הרהבתי עוז לחצות את גבולות
הרחוב. אבל מפחיד אותי הרבה יותר השיח הציבורי והתקשורתי המונוליטי והמתלהם
שהוא בלתי ניתן להבקעה. מפחיד אותי כשחברי לקבוצת ‘קול אחר’ מותקף ע”י תושבים
בשדרות בשעה שהוא מתראיין ומביע עמדה ביקורתית על המלחמה, ואח”כ מקבל טלפונים
אנונימיים וחושש לחזור לרכבו פן יבולע לו. מפחיד אותי כמה מעט במה יש לקול
האחר, וכמה קשה להביע אותו מכאן. אני מוכנה לשלם את מחיר הבידוד, אבל לא את
מחיר הפחד.

מפחיד אותי לראות את עירי עוטפת אור ולובשת חג ומתקשטת בדגלי ישראל, ולהקות
מעודדים מחלקות פרחים ברחוב, ואנשים צופרים משמחה על כל פצצה של טון שנופלת
על שכנינו. מפחיד אותי האזרח שמתוודה בפנים קורנות שלעולם לא ביקר בקונצרט,
אבל הפצצות צה”ל על תושבי עזה הן המוסיקה הכי ערבה ששמע בחייו. מפחיד אותי
המראיין הזחוח שלא סודק ולו במילימטר את דבריו.

מפחיד אותי שתחת מיסוך המילים האורוולי וגופות ילדים שטושטשו במיוחד עבורנו
כשירות לציבור, אנחנו מאבדים את היכולת האנושית לראות את הצד השני, להרגיש,
להזדעזע, לחוש אמפטיה. תחת מילת הקוד ‘חמאס’, מייצרת עבורנו התקשורת דמון
אדיר ואפל שאין לו פנים ואין לו גוף ואין לו קול, מיליון וחצי אנשים ללא שם.

זרם אפל ועמוק של אלימות מחלחל אל תוך הנימים הקהות של החברה הישראלית כמו
מחלה קשה, והוא מתעצם ממלחמה למלחמה. אין לו ריח ולא צורה, אבל חשים בו היטב
מכאן. זהו סוג של אופוריה וחדוות מלחמה וחמדת הנקם ושכרון הכוח ואהבת מארס,
וקבורת הציווי היהודי האציל: “בנפול אויבך – אל תשמח”. זהו מוסר שהזדהם כל כך
ודומה ששום כביסה כבר לא תוכל להסיר את הכתם. זוהי דמוקרטיה שברירית שבה אתה
צריך לשקול כל מילה, פן יבולע לך.

בפעם הראשונה שהרגשתי שהמדינה באמת מגינה עלי היה כאשר הושג הסכם הפסקת אש.
אין לי אחריות על החמאס, ולכן אני שואלת את מנהיגנו: האם הפכתם אבן על אבן
כדי להשיג המשך לרגיעה? כדי להאריך את הפסקת האש? כדי להגיע להסכם הבנות ארוך
טווח? כדי לפתור את שאלת המעברים והמצור בטרם פורענות? האם נסעתם עד קצה
העולם כדי לחפש מתווכים מתאימים? ולמה נפנפתם בלי למצמץ את היוזמה הצרפתית
להפסקת אש אחרי שכבר פרצה המלחמה? ולמה אתם ממשיכים לדחות עד רגע זה כל הצעה
אפשרית למו”מ? עוד לא הגענו אל מכסת הקאסמים שאנחנו מסוגלים לספוג? עוד לא
הגענו אל מכסת הילדים הפלשתינאים ההרוגים שהעולם מסוגל לעכל?
ומי ערב לנו בכלל שניתן למוטט את החמאס? לא ניסינו את התרגיל הזה במקום אחר?
ומי יתפוס את מקומו? ארגונים גלובליים פונדמנטליסטים? אלקעידה? ואיך ינבטו
מתוך גלי החורבות והרעב והקור והמתים קולות מתונים של שלום? לאן אתם מובילים
אותנו? איזה עתיד אתם מבטיחים לנו כאן בשדרות?
וכמה זמן עוד תמשיכו לתלות על כתפנו השחוחות את ילקוט הכזבים העמוס לעייפה
בכל הקלישאות: אין עם מי לדבר, מלחמת אין ברירה, תנו לצה”ל לסיים את
“העבודה”, זבנג וגמרנו, למוטט את החמאס ומי לא רוצה שלום. שקר הכוח והבל העוד
יותר כוח, כמדריך היחיד לפתרון בעיות האזור.

ואיך קורה שכל ראיון חטוף עם נציגי קול אחר’ מתחיל ונגמר תמיד בשאלת המחץ
הזלזלנית של העיתונאי התורן: “אתם לא חושבים שאתם נאיבים?”. איך קרה שאופציית
ההידברות והדיאלוג וניהול מו”מ וחתירה להסכמים והבנות, גם עם הגרוע שבאויבנו,
הפכה מילה נרדפת  לנאיביות, ואופציית הכוח והמלחמה היא תמיד בחירה תבונית
ורציונאלית ואולטימטיבית?. שמונה שנים של מעגל דמים חסר תוחלת לא לימדונו דבר
על הנאיביות של כוח הזרוע? צה”ל כיסח וחיסל וירה וגילח ופגע והחטיא והרעיש –
ומה קיבלנו בתמורה? שאלה רטורית.

קשה מנשוא לחיות בשדרות בימים אלו. בלילה צה”ל כותש תשתיות ובני אדם, ומרעיד
את קירות הבתים. בבוקר אנו חוטפים קאסמים, כל פעם משוכללים יותר. אדם שיוצא
לעבודתו עם שחר לא יודע אם ימצא את ביתו שלם בערב. בצהרים אנחנו קוברים את
טובי בנינו ששילמו בחייהם על עוד מלחמה “צודקת”. לפנות ערב אנחנו מצליחים
בקשיים מרובים ליצור קשר עם חברינו הנואשים בעזה. אין חשמל, אין מים, אין גז,
אין אוכל, אין לאן להימלט. ורק מילותיה של נ. בת ה-14 שבית ספרה הופצץ וחברתה
לכיתה נהרגה, והיא כותבת לנו באנגלית רהוטה מייל שהצליחה אמה לשגר אך בקושי:
“עיזרו לנו, הרי אנחנו בני אדם”, לא יוצאות לי מהראש. לא סומק פושט בלחיי,
פואד, לא סומק. טון של עופרת יצוקה רובץ על ליבי, והלב צר מלהכיל.


Tel Aviv, Mai 2008

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Um Himmels willen, Israel

9. Januar 2009 · 3 Kommentare


Tel Aviv, Dezember 2008

Ja, auch ich muss zugeben, die mediale Nahost-Berichterstattung lässt zu wünschen übrig – sie ist streckenweise nahezu unerträglich.

Was auch immer Israel tut, es ist und bleibt in den Augen großer Teile der Weltöffentlichkeit Schuld an Elend und Zerstörung in der Region.’

Kurze Zwischenmeldung:
Am 6.1.2009 wurden israelische Basketballer von türkischen Zuschauern mit Schuhen, Feuerzeugen und Wasserflaschen attackiert. Das Basketball-Spiel zwischen Turk Telekom und der israelischen Mannschaft Bnei Hasharon musste abgebrochen werden.

Lassen Sie sich auch nicht die Kommentare entgehen …
….und dabei fahren soviele Israelis gerne in die Türkei …

Weltweit demonstrieren zehntausende Menschen gegen Israels Militäroffensive im Gazastreifen. Sie bringen ihr Mitgefühl, ihre Fassungslosigkeit, ihren Ärger, ihre Wut und Hysterie auf die ein oder andere Art zum Ausdruck.

Unter dem Motto ‘Arabs and Jews refuse to be enemies’ fanden sich auch in Tel Aviv am 3.1.2009 tausende von Menschen, die gegen das Vorgehen im Gazastreifen demonstrierten.


Photo: Oren Ziv


Photo: Meni Berman


Photo: Meged Gozani

Am 11.Januar.2009 wird in Berlin zur ‘Solidarität mit Israel’ aufgerufen.
Diese Art der Solidaritätsbekundung spricht mich nicht an.
Natürlich solidarisiere ich mich mit Israel, aber das ist nicht der Punkt.

Mit welcher Botschaft würde ich mich zum jetzigen Zeitpunkt am ehesten identifizieren. Welche Demonstration würde ich mir in Berlin wünschen.
Wen will ich auf den Strassen sehen, um ein kleines Zeichen zu setzen, um einen Funken der Hoffnung und Menschlichkeit zu spüren.

Das Motto: „Juden und Araber weigern sich Feinde zu sein“ könnten wir direkt aus Tel Aviv hierher importieren.
Nach der Kundgebung würde am Görlitzer Park eine lange Esstafel auf uns warten, garniert mit den entsprechenden kulinarischen Spezialitäten.
Musiker würden den Park beschallen -  das Leben wäre für einige Stunden schön, bunt und lecker.

Die Menschen, die in Tel Aviv auf die Strassen gehen und „Juden und Araber weigern sich Feinde zu sein“ rufen, sind ganz bestimmt keine ‘Israelhassenden Israelis‘. Sie haben, genau so wie ich, diesen Teufelskreis satt, fürchten zu recht den Bumerangeffekt.
Sie haben Angst. Sie sehnen sich nach Stabilität, dass endlich Ruhe in die Region einkehrt, dass die Bühne für die Diplomatie freigemacht wird.

Israel ist für mich nicht zu ersetzen. Das Land ist grossartig, die Menschen, das Leben, aber ohne einen wirklichen Frieden, ohne die Zwei-Staaten-Lösung, ohne Kompromisse, stellt sich für mich die Frage, wie lange es sich noch gut unter dieser ‘Glasglocke’  leben lässt.
Wie lange kann das israelische Militär mich und meine Leute ‘beschützen’, zu welchem Preis und unter welchen Bedingungen ?

Am Anfang des Beitrags zitere ich  den Wiener Politikwissenschaftler Stephan Grigat. Zum Abschluss lasse ich Uri Avnery zu Wort kommen:

… Millionen sehen diese schrecklichen Bilder, ein Foto nach dem anderen, Tag um Tag. Diese Bilder werden sich ihnen auf immer ins Gedächtnis einprägen: schreckliches Israel, abscheuliches Israel, unmenschliches Israel. Eine ganze Generation von Hassenden wird heranwachsen. Das ist der schreckliche Preis, den wir werden zahlen müssen, wenn längst alle anderen Folgen des Krieges in Israel vergessen worden sind.

Aber da gibt es noch etwas, das sich in das Gedächtnis dieser Millionen einprägen wird, das Bild der erbärmlich korrupten, passiven arabischen Regime.

Aus arabischer Sicht wird eine Tatsache oben anstehen: die Mauer der Schande.

Für die anderthalb Millionen Araber im Gazastreifen, die so schrecklich leiden, ist die einzige Öffnung zur Welt, die nicht von Israelis beherrscht wird, die Grenze mit Ägypten. Nur von hier können lebensnotwendige Nahrungsmittel und Medikamente kommen, die das Leben der Verletzten retten können. Die Grenze blieb auch auf dem Höhepunkt des Schreckens geschlossen. Die ägyptische Armee hat den einzigen Weg für Nahrungsmittel und Medikamente geschlossen, während Chirurgen die Verwundeten ohne Betäubungsmittel operieren.

Durch die ganze arabische Welt schallen vom einen zum anderen Ende die Worte von Hassan Nasralleh: die Herrscher Ägyptens sind Komplizen des Verbrechens. Sie arbeiten mit dem „zionistischen Feind“ zusammen, um den Widerstand des palästinensischen Volkes zu brechen. Ich möchte vermuten, dass sie nicht nur Mubarak meinen, sondern auch die anderen Führer, vom saudiarabischen König bis zum palästinensischen Präsidenten. Wenn man die Demonstrationen in der ganzen arabischen Welt sieht und den Slogans zuhört, dann erhält man den Eindruck, als ob für viele Araber ihre Führer bestenfalls als solche erscheinen, die Mitleid hätten oder schlimmstenfalls als erbärmliche Kollaborateure agierten.

Dies wird historische Konsequenzen haben. Eine ganze Generation arabischer Führer, eine Generation, die von der Ideologie des säkularen arabischen Nationalismus erfüllt war, die Nachfolger von Gamal Abd-al-Nasser, Hafez al-Assad und Yasser Arafat, mögen von der historischen Bühne weggefegt worden sein. Im arabischen Raum besteht aber nur eine einzige Alternative: die des islamischen Fundamentalismus.

Dieser Krieg ist wie die Schrift an der Wand: Israel versäumt die historische Chance, mit dem säkularen arabischen Nationalismus Frieden zu machen. Morgen wird es mit einer einförmigen fundamentalistischen arabischen Welt konfrontiert sein, mit Hamas hoch zehn.

(Aus dem Englischen: Ellen Rohlfs, vom Verfasser autorisiert)


Tel Aviv, Dezember 2008

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